Heckmann kocht!

Salzamt - Kliemstein

Kliemstein – Das Restaurant im Salzamt

Was ist das Kliemstein eigentlich? Ist es ein Restaurant oder ein Künstlerhaus? Oder gar ein geheimer Klub von Weinliebhabern, die hier hinter verschlossenen Türen in ehrwürdiger Umgebung ihre Baccanalien abfeiern? Oder nur das Nachfolgelokal eines Weinhändlers (Vino Vitis) mit eigener Glasmanufaktur (Angelus) und einem Tausendsassa (Michael Müller) als Patron, der hier seinem Hobby (Kochen mit portugisischen und spanischen Einflüssen) fröhnt? Wir haben letzte Woche hinter die Kulissen geblickt, und uns Klarheit verschafft: Das Kliemstein ist in der Hauptsache ein Restaurant, und darüber hinaus von allem vorher aufgezähltem ein bisschen was.

23621 Salzamt Müller

Das Kliemstein (Restaurant im Salzamt) an der Donaulände mit seinem kochenden Patron Michael Müller

Es war ein sehr regnerisch-kalter, unfreundlicher Mittwochabend. Im Fernsehen gab es das Halbfinale Bayern gegen Dortmund, und ein größerer Tisch hatte kurzfristig seine Reservierung abgesagt. So waren wir vier die einzigen Gäste in dem seit Ende September 2017 eröffneten Lokal, und Patron Michael Müller gehörte uns ganz allein. Er hatte alle Zeit der Welt, nicht nur köstlich für uns aufzukochen, sondern auch alle unsere Fragen geduldig zu beantworten. Und uns die eine oder andere Geschichte über seine Herkunft und seine Familie, seine abwechslungsreiche Vergangenheit und die Geschichte des Hauses zu erzählen. Wir hörten ihm fast ehrfurchtsvoll und geduldig zu, und ließen uns nebenbei noch zu allerhand sonstigem anstiften. So z.B. zum Kliemstein Black Amber Bier als Aperitif, das sich für mich leider als unbefriedigender Ersatz für das eigentlich gewünschte Zwickel entpuppte. Ich hätte mich ebenso wie unsere Freundin Judith für einen Grünen Veltliner Lagensekt entscheiden sollen. Und er überredete uns auch zum kompletten sechsgängigen "Menü der kleinen Gaumenfreuden" um € 44-/Person. Dazu kam noch ein Gedeck um € 4.-/Person sowie ein Gruß aus der Küche zu Beginn und einer zum Ausklang.

Ja, jetzt wissen Sie es, es gibt im  Kliemstein abends eigentlich keine Speisekarte . Nur komplette Menüs ab 3 Gängen und Snacks an der Bar. Das Menü wenn man will auch mit kleiner oder großer Weinbegleitung. Wir vier waren alle mutig und wählten das größere von den kleinen Menüs, wobei sich Patron Müller als sehr flexibel erwies. So wurde in zwei Fällen die Consomme mit Sherry ohne Probleme durch eine sehr schaumige Spargelcremesuppe ersetzt, und in einem Fall die Entenbrust durch Truthahn. Aber nun zum Anfang, zunächst zum Gedeck, das aus verschiedenen Sorten Brot mit einem Kren-Preiselbeeraufstrich, Olivenöl und Meersalz bestand. Dann folgte gleich der Gruß aus der Küche, die schon in den OÖ. Nachrichten gelobten Spießchen mit einem kleinen Chorizo-Würstchen und Tortilla. Lustig anzusehen und gut im Geschmack. Nach dem Amber-Bier hatte ich mich als Begleiter zum ersten Teil des Menüs für einen Verdejo aus dem spanischen Weinbaugebiet Ruedo entschieden. Der passt bis zur Entenbrust ganz gut, ein bisschen kälter hätte er sein können.

Salzamt Gruß a.d. Küche Salzamt Gewürzhuhn

Ein vielversprechender Start: Chorizo-Spiesschen und Gewürz-Hühnerbällchen mit Lattich, Karotten und Spinat

Der Einstieg ins Menü erfolgte über Gewürzhuhn-Bällchen mit Sesam, gegrilltem Lattich und Salat aus Karottenstreifen und Spinat, gefolgt von einer Tasse Consomme double mit Sherry und kleinen, frittierten Tintenfischen. Nett angerichtet, geschmacklich ohne Makel. Hinter dem Titel „Spargel, Fisch Gröstl“ verbarg sich ein köstlicher, norwegischer Skrei mit Spargel aus Eferding und Eachtlinger Kartoffeln aus dem Lungau. Alles einmalig gut, überall die passende Story dazu. Auf die Eachtlinger werde ich beim Digestif nochmals zurückkommen. Dann folgte als Hauptgericht eine rosa auf den Punkt gebratene Entenbrust - für meine Gattin viel zu rosa, da hätte man auch vorher fragen können - mit hausgemachten Nudeln und Steinpilzen und der einen oder anderen „Eachtlinger“. Für mich alles bestens, auch wenn die Steinpilze zu dieser Jahreszeit natürlich nicht frisch sein konnten. Jetzt war es höchste Zeit für einen roten Begleiter. Die Wahl fiel auf einen Burgunder, und zwar auf einen Pinot Noir 2007 vom Weingut Frühwirt aus Teesdorf in der Thermenregion. An sich eine gute Wahl, aber nicht die allerbeste, wie uns Patron Müller mit einer Kostprobe eines Nebbiolo aus dem Piemont kurz darauf eindrucksvoll bewies.

Schon etwas müde und satt näherten wir uns schließlich dem Ende unseres Festmahles, das mit einer kreativen und dekorativen Käsevariation (Käse hoch 3) eingeläutet wurde. Schaute sehr kreativ und pfiffig aus, der Geschmack kam da aber nicht ganz mit. Dann die Nachspeise oder besser gesagt ein Nachspeisen-Potpourri mit Apfeleis, Ananas-Parfait, Erd- und Heidelbeeren, einem kleinen Blätterteiggebäck und das alles auf einem Spiegel Erdbeersauce. "Da gibt es nichts zu meckern", hätte der Schuhbeck gesagt, und der Lafer hätte dazu nur genickt. Höchste Zeit für einen Digestif, und nun komme ich zurück zum „Eachtlinger“, der auch als Brand einen guten Eindruck machte. Schnell noch einen Espresso - mit einer Praline stilvoll serviert - und dann die Rechnung. Aber nein, da kam vorher noch eine kleine Überraschung: Zuckerwatte für alle vier, eine schöne Erinnerung an unsere Kindheitstage.

Salzamt Spargel Fisch Gröstl Salzamt Entenbrust

Skrei mit  grünem Spargel und Eachtlinger-Gröstl    Rosa Entenbrust mit selbstgemachten Steinpilznudeln

 Wir haben zu viert inkl. Trinkgeld 270.- € bezahlt, nicht gerade wenig, aber auch nicht viel, für alles was geboten wurde. Wir haben ausgezeichnet gespeist, gut getrunken, und uns sehr gut unterhalten. Wir haben viel über das Haus, die Küche, den Chef und seine Leidenschaften, sowie seine Aus- und Umbaupläne erfahren. Auch über die Events bzw. Veranstaltungen in der nächsten Zeit haben wir uns informiert. So gibt es einen Jour fix jeden Freitag von 16 bis 18 Uhr mit einer Weinverkostung um 17.00 Uhr, regelmäßige Weinstammtische (die nächsten am 9. Mai und dann am 6. Juni jeweils um 18.30 h) und Bacchanalien (die nächsten am 31. Mai und dann wieder am 26. Juli jeweils um 18.30 Uhr). Und übrigens: Jeden Mittwoch gibt es ab 12.00 h einen Gourmet Lunch um € 15.-.

Wir haben beschlossen, die guten Erfahrungen dieses Abends mit anderen zu teilen, und auf jeden Fall demnächst selbst wieder ins Kliemstein zu gehen!

Salzamt Ananas Kokos Hollunderblüte Salzamt Zuckerwatte

 Köstliches Dessert-Potpourri mit Eis und Früchten                            Zuckerwatte - Erinnerungen an die Kindheit