Heckmann kocht!

Bad Geichenberg Mai 2018

Wellnessen in Bad Gleichenberg

Neues aus der Südost-Steiermark

 

Es müssen schon wichtige Gründe vorliegen, wenn eingefleischte Fans von Bad Radkersburg ihren Wellnessurlaub plötzlich in der Therme Bad Gleichenberg verbringen. Das haben meine Gattin und ich nämlich vor kurzem getan, und ich kann ihnen versichern, die Gründe dafür lagen ausschließlich im therapeutischen Bereich.

Bad Gleichberg Mai 2018 Vinothek St. Anna Bad Gleichberg Mai 2018 Vulkanothek Schinken

Steirische Impressionen aus der Gebietsvinothek St. Anna am Aigen und der kleinen Vulkanothek in Bad Gleichenberg

Die Gemeinde Bad Gleichenberg ist in ihrer jetzigen Form durch die Zusammenlegung mit einigen anderen Gemeinden 2015 entstanden und zählt gut 5.300 Einwohner. Am 1. Mai 2008 wurde das neue Heilbad mit Kurhaus und Hotel eröffnet. Im Mittelpunkt steht die Behandlung von Erkrankungen der Luft- und Atemwege sowie der Haut (Neurodermitis und Schuppenflechte). Bad Radkersburg ist mit 3.160 Einwohnern zwar viel kleiner, gibt aber als Stadt weit mehr her als Gleichenberg. Als alte, befestigte Grenzstadt an der Mur mit einem historischen Hauptplatz, mit zahlreichen Gast- und Kaffeehäusern, mit Restaurants, Vinotheken und Buschenschanken hat sie meiner Meinung nach Gleichenberg einiges voraus. Aber vielleicht hänge ich noch zu sehr am alten, vertrauten, und kenne die neue Umgebung noch zu wenig. Wenn das wirklich so ist, bitte ich Sie, mir das zu verzeihen. Ebenso den einen oder anderen Quervergleich mit dem geliebten Radkersburg.

Bad Gleichberg Mai 2018 Hotel Bad Gleichberg Mai 2018 Frühstücksbuffet

Das 4**** Sterne Kurhhaus in der Therme der Ruhe in Bad Gleichenberg: Hoteleingang und Frühstücksbuffet

Untergebracht waren wir im Kurhotel (Kurhaus) der „Therme der Ruhe“, ein schönes und modernes Haus, unter einem Dach mit der Therme selbst. Die Zimmer großzügig mit allem Komfort, die Therapieeinrichtungen bestens in Ordnung. Aber wir wollen uns ja nicht dem medizinischen, sondern mit dem kulinarischen beschäftigen. Wir hatten Halbpension gebucht, also beginnen wir mit dem Frühstücksbuffet. Im Prinzip alles da was man sich so erwarten kann, aber nicht ganz so reichhaltig wie im Vitalhotel in Radkersburg. So fehlten z.B. gebratener Speck und Würstchen, und von hier eigentlich heimischen Vulkano-Schinken mit frisch geriebenem Kren oder dann und wann einem geräucherten Lachs, einem sündigen Verhackerten oder gar einem Gläschen Prosecco ganz zu schweigen. Die Plätze wie beim Abendessen alle streng mit Namenskärtchen reserviert, das gehört sich halt so. Das Kaffeeangebot in Ordnung, das Angebot an Kaltgetränken - mit Orangen- und Multivitaminsaft und Wasser – eher klein.

Das Abendessen wurde grundsätzlich schon beim Frühstück vorbestellt (angekreuzt), das System wurde jedoch flexibel und gästefreundlich gehandhabt. Das dreigängige Menü bestand aus einer Auswahl von zwei Suppen oder Salat vom Buffet, meist drei Hauptspeisen á la carte und weiteren drei einfacheren für die Kurgäste vom Buffet, sowie vier bis fünf Nachspeisen, alle vom Buffet. Das Service war freundlich, wir hätten uns dennoch etwas mehr Aufmerksamkeit und kürzere Wartezeiten gewünscht. Das Getränkeangebot war überschaubar, es gab jedoch am Ausgang des Restaurants eine große Bar. Raucher haben es im Kurhaus generell schwer, es darf nicht einmal auf dem Balkon des eigenen Zimmers geraucht werden und auch vor dem Eingang des Hotels sucht man vergeblich nach einem Aschenbecher. Raucherbereiche gibt es im Restaurant, im Café und im Bistro, aber nur im Freien und da nur im nicht-überdachten Bereich.

Monika Columbia Bad Gleichberg Mai 2018 Georg u. Maria Vulkanothek

Hauptplatz Bad Geichenberg: Linzer Kipferl im Café Columbia mit Monika und Schinken in der Vulkanothek bei Maria

Wir haben natürlich gleich am ersten Tag einen Spaziergang nach Bad Gleichenberg gemacht. Der kleine Hauptplatz ist in wenigen Gehminuten erreichbar und bietet neben weiteren Hotels u. a. zwei Kaffeehäuser und eine Vinothek. Cappuccino, Espresso und das Linzer Kipferl im Café Columbia waren gut, das Ambiente im schattigen und grünen Vorgarten noch besser. Gleich gegenüber die Vulkanothek von Maria, eine kleine Vinothek die ab 17.00 h geöffnet hat. Eine Portion Vulkano-Schinken mit frisch geriebenem Ken und Preiselbeeren begleitet von einem Glas Gelben Muskateller war der perfekte Start in einen gemütlichen Abend.

Weiter ging es zu unserem ersten Abendmenü im Restaurant des Kurhauses. Zu Beginn wählte meine Gattin einen gemischten Salat und ich eine Selleriecremesuppe. Beides war grundsätzlich okay. Dann ging es weiter mit einem gegrillten Lachsforellenfilet auf rahmigen Spinattagliatelle, dazu Spargel und Ingwerschaum für meine Gattin, und mit einem im Biersaft geschmorten Rindsschulterscherzl an Risotto und Perlweinzwiebeln für mich. Die Forelle war ziemlich „verbraten“, sonst war eigentlich wenig auszusetzen. Als Nachspeise entschied ich mich für ein gemischtes Eis von der Valentino - Eisdiele und war damit sehr zufrieden. Meine Gattin wählte eigentlich eine Sachertorte, bekam aber dann ein Riesenstück Schokoladentorte, mit der sie aber dann ebenfalls ganz glücklich war. Noch eine kritische Anmerkung zum Tisch, der selbst für nur 2 Personen ziemlich klein dimensioniert war.

 Bad Gleichberg Mai 2018 Lachsforelle mit Tagliatelle Bad Gleichberg Mai 2018 Rindsschulterscherzl

Unser erstes Halbpension-Abendessen: Lachsforellenfilet mit Tagliatelle und Rindsschulterscherzl an Risotto

Am zweiten Tag hatten wir uns für den späten Nachmittag einen kleinen Ausflug nach St. Anna am Aigen und - wir konnten es einfach nicht lassen - nach Bad Radkersburg vorgenommen. In der Vinothek mit der wahrscheinlich atemberaubendsten Aussicht – in St. Anna am Aigen – haben wir ein bisschen Wein eingekauft. Einerseits für unsere liebe Nachbarin, die während unserer Urlaube unsere Katze versorgt, und auch für mich. Unsere Nachbarin mag es gerne süß, und so haben wir einen Dreierkarton mit einem halbtrockenen, einem lieblichen und einem süßen Tropfen erstanden: Einen Gewürztraminer vom Weingut Schuster, einen vom Weingut Palz und einen Gelben Traminer vom Weingut Frühwirth. Und für mich habe ich – nach sorgfältiger vorheriger Verkostung – einen Sauvignon Blanc Arte Styria und einen Weißburgunder vom Weinhof Golenz eingepackt. Nach einem kurzen Abstecher über die Grenze – ich musste meine Vorräte an Kruscovac und Pelinkovac auffüllen – noch ein gemütlicher Kaffee mit einem Stück Gibanica (slowenische Hochzeitstorte) am Hauptplatz in Bad Radkersburg.

Bad Gleichberg Mai 2018 Bad Radkersburg Kaffeehaus Bad Gleichberg Mai 2018 Bad Radkersburg Gibanica

Immer einen Besuch wert: Kaffeepause am schönen Stadtplatz von Bad Radkersburg mit einem Stück Gibanica

Das Abendessen haben wir dann auf der überdachten Terrasse unseres Hotels eingenommen. Es war ein lauschiger Abend und der Tisch draußen war auch um einiges größer. Dafür war die Bedienung weniger aufmerksam und die Wartezeiten entsprechend länger. Wir begannen wieder mit Salat vom Buffet und Suppe, in diesem Fall eine sehr gut abgeschmeckte Knoblauchsuppe. Meine Gattin entschied sich auch an diesem Abend für den Fisch, ein gebratenes Zanderfilet an Trüffel-Kartoffelcreme mit gegrilltem Zucchinigemüse und Krenschaum. Der Fisch wieder ziemlich kross gebraten, sonst aber sehr gut. Ich wählte ein Saltim Bocca vom Steirer Huhn auf Curry-Gewürz Couscous und sautiertem Mais-Lauchgemüse. Saltimbocca war nicht nur anders geschrieben als mir bekannt, sondern sah auch nicht wie das klassische Saltimbocca aus. Für meinen Geschmack etwas zu viele Maiskörner aus der Dose vielleicht, ansonsten war nichts auszusetzen. Höhepunkt war aber zweifellos die Nachspeise, wofür wir einfach eine der Hauptspeisen vom Buffet gewählt haben: Mohnnudeln mit Zwetschkenröster. Auch wenn der Zwetschkenröster nur eine dünnflüssige, rote Sauce war und so gut wie nach gar nichts schmeckte, die Mohnnudeln entschädigten für alles, auch für den mangelhaften Service.

Saltimbocca Huhn Bad Gleichberg Mai 2018 Zanderfilet

Zweiter Abend im Kurhotel: Saltimbocca vom Steira-Huhn mit Curry-Couscous und Zanderfilet an Trüffel-Kartoffelcreme

Bei einem so kurzen Urlaub ist der dritte Tag auch schon wieder der letzte. So verbrauchten wir am Nachmittag unsere Gutscheine für Kaffee und Kuchen, in unserem Fall für Cappuccino und Marillenkuchen im Bistro, wo auch Badekleidung erlaubt ist. Der obligate Ausflug war für den Abend geplant, wo wir das Abendessen im Hotel abbestellt und stattdessen einen Tisch beim Steira Wirt in Trautmannsdorf - nicht mehr als 10 Autominuten vom Kurhotel entfernt – reserviert hatten.

Es war Liebe auf den ersten Blick, als wir uns dem Wirtshaus näherten. Zunächst noch ein kurzer Besuch im gleich nebenan befindlichen Shop, wo unter der Marke „Mein Bruder der Koch“ eine Feinkostlinie selbst produzierter Produkte - vom Dry Aged Beef über die Kalbsleberpastete bis zu Haferflockenkeksen - feilgeboten wird. Dort sollte unser Abend auch wieder enden, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt ja noch nicht. Im mäßig besuchten Restaurant wurden wir freundlich empfangen und zu unserem Tisch im Extra- bzw. Clubzimmer geführt. Für den Aperitif - für meine Gattin einen alkoholfreien „Frühlingskuss“ mit Ingwer-Zitrone-Hollerblüte und für mich einen Gelben Muskateller vom Scharl in St. Anna – mit Geschmack nach Holunderblüte und Minze - hatten wir uns schnell entschieden. Die Speisekarte gab es in klassischer, gebundener Form, und auch auf italienische Art in Form einer aufgestellten schwarzen Tafel mit den Tagesgerichten in Kreideschrift. Zur Belohnung für die Bestellung kam dann auch sofort das Gedeck, bestehend aus selbstgebackenem Sauerteigbrot, Kürbiskernaufstrich, Kalbsleberpastete mit getrockneten Röstzwieberln und Rettich in Olivenöl. So gut wie alles aus eigener Produktion, versteht sich von selbst. Ein fulminanter Start!

Steira Wirt Eingang georg Bad Gleichberg Mai 2018 Monika Steira Wirt Shop

Eingang ins Paradies beim Steira Wirt in Trautmannsdorf: Links ins Wirtshaus/Restaurant und rechts in den Shop

Wir haben uns für die Wirtshausküche, aber letztlich für keines der drei- vier- oder fünfgängigen „Überraschungsmenüs“ entschieden, sondern von der Kreidetafel und der traditionellen Speisekarte nach Lust und Laune durcheinander gemischt. Meine Gattin hat mit einem Steira Wirt Frühlingssalat begonnen, mit dem Hintergedanken, die Hälfte davon als Begleitung zur Hauptspeise übrig zu lassen. Dieser Salat war eigentlich die einzige wirkliche Enttäuschung an diesem Abend, denn statt frühlingshaft leicht war er – inklusive Butterhäupl - ziemlich in Öl ertränkt. Da konnten auch die Frühlingskräuter und das gschmackige und wachsweiche Wachtelei nichts daran ändern. Triefend vor Fett und daher eher weniger frisch auch der Schaffrischkäse. Besonders begeistert war auch ich von meiner Spargelcremesuppe nicht, da hatte sich der Koch die Latte einfach zu hoch gelegt. Sie schmeckte intensiv nach Orange und etwas auch nach der fermentierten Bohnenpaste (Miso), aber dafür kaum nach Spargel und der Saibling war darin komplett verloren. Weniger wäre hier sicher mehr gewesen.

Aber keine Angst, bei der Hauptspeise wurde schnell wieder das anfängliche Niveau erreicht, ja sogar überschritten, würde ich sagen. Die Lammbutterschnitzel meiner Gattin waren so etwas von zart, das Lamm schmeckte man nur sehr dezent heraus. Das Wurzelgemüse mit den Eierschwammerln und dem Püree rundeten das Gericht perfekt ab. Mein gebackenes Kalbsbries - in der kleinen Variante - war wahrscheinlich das Beste seiner Art, das ich jemals gegessen habe. Perfekt goldbraun herausgebacken und auf den Punkt gegart. Dazu milde Rahmgurken mit Senf, Wurzelgemüse und Salzzitrone. Auch die Weinempfehlung – ein Riesling 2015 vom Engel in Klöch – erwies sich als wirklich guter Rat.

Steira Wirt Kalbsbries Bad Gleichberg Mai 2018 Steira Wirt Lammbutterschnitzel

Die beiden Hauptdarsteller des Abends beim Steira Wirt: Gebackenes Kalbsbries und Lammbutterschnitzel

Auch wenn man glaubt, es geht wirklich nichts mehr, sollte man trotzdem einen Blick auf die Dessertkarte machen. Das haben wir auch getan, und uns noch zu einer abschließenden Bestellung aufgerafft. Meine Gattin zu einer kleinen Mohnpowidl-Torte, und ich zu einem Sorbet Surprise. Diese Sorbetvariation hat nicht nur gut geschmeckt, sondern wurde vor allem optisch sehr ansprechend serviert. Dann noch zwei kleine Espressi und für mich einen Digestif vom Haus, einen Grappa von der Isabella Traube. Alles in allem haben wir - inklusive Trinkgeld - 130 € bezahlt. Das „läppert“ sich so zusammen, vom Gedeck um € 3,50 bis zum Lammbutterschnitzel um € 22.-, und vom Frühlingskuss-Aperitif um € 6,50 bis zum Kalbsbries um € 17. „No, je ne regriette rien“ hat Edith Piaf damals schon gesungen. Wir auch nicht, kann ich da nur sagen!

Steira Wirt Sorbet Surprise Steira Wirt Shop

Zum überraschenden Abschluß die Sorbet-Variationen und dann noch eine kurze Shopping-Tour im Feinkostladen