Heckmann kocht!

GenussHirsch in Unterpurkla

Ein neuer Stern ist aufgegangen

Neues und Altbekanntes aus der südteirischen Thermen- und Weinregion

Meine Gattin und ich waren seit längerer Zeit wieder einmal einige Tage in unserer Lieblings-Thermenregion Bad Radkersburg. Dort haben wir sowohl Neuland betreten, als auch einige alte Bekannte besucht.

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   Rundgang durch den Stadtkern von Bad Radkersburg               Absolute Grün- und Ruhelage: Hotel Altneudörflerhof

Neu war zuallererst einmal schon das Hotel, in dem wir unsere Frühstückspension gebucht hatten. Wir waren im Altneudörflerhof – Hotel Garni untergebracht, das idyllisch im Grünen etwa 1 km von der Parktherme und 1,5 km vom Stadtzentrum entfernt liegt. Natürlich nicht mit dem Komfort des Vitalhotels, z.B. fehlten der direkte Allwetter-Verbindungsgang (man musste schon mit dem Auto zur Therme fahren), die Parkgarage oder der Fitnessraum. Es gab auch keinen Lift und die Stiege in den 2. Stock war auch ohne Gepäck schon eine Herausforderung. Aber der Preis von 368 € inkl. Thermeneintritt für 2 Personen betrug genau die Hälfte des Preises vom Vitalhotel. Und das Frühstücksbuffet war zwar nur halb so umfangreich, aber trotzdem exzellent. Und um den Differenzbetrag waren wir jeden Abend ganz fein aus, aber darüber möchte ich im folgenden etwas ausführlicher berichten.

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       Nicht nur wegen der Lage und wegen des Ambientes immer einen Besuch wert: Weingut Krispel in Neusetz

Der erste Abend gehört meist schon traditionell dem Weingut Krispel in Neusetz/Hof bei Straden. Der Krispel ist viel mehr als eine Buschenschank oder ein Heuriger, er ist eine Institution. Mit seinen eigenen Produkten vom Wollschwein und seinen feinen Weinen sowie seinem auch in der Stubn einzigartigen Ambiente ist das für uns jedes Mal ein wirklich besonderer Abend. Nicht zu vergessen das sensationelle Preis-Leistungsverhältnis. Wir haben uns den Wollschweingenuss - Streifzug durch die Wollschweinspezialitäten (€ 12,90) und das Krispel-Brot (€ 4,50) mit gekochtem Schinken, Brüstl, Käse, Bratlfett und Zwiebel ebenso schmecken lassen wie den Muskateller und den Welschriesling, das Achterl um € 2,70 bzw. 2,30. Und auch die Nachspeisen konnten sich durchaus sehen lassen, eine Schoko-Vanillecremeschnitte und eine Orangen-Mandeltorte, dazu noch ein süßer Traminer zum Abschluss.

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Italienische Küche vom Feinsten mitten in Bad Radkersburg: Trüffelrisotto mit Lammrücken vom Grill

Der zweite Abend führte uns ins Zentrum von Radkersburg, nämlich ins Altstadthaus am Hauptplatz. Sehr italienisch, Restaurant und angeschlossene Enoteca, für einen Mittwoch ganz gut besucht. Vom Preisniveau etwas gehoben, aber feines Ambiente, schön eingedeckter Tisch, überaus freundlicher Service. Der Gruß aus der Küche bestehend aus eingelegten Artischocken, Sardinen sauer, und einem Ricotta-Aufstrich mit Kräutern machte Lust auf mehr. Daher haben wir uns dann die Fischvorspeisen nach Altstadthaus-Art um € 16,00 gemeinsam schmecken lassen, und wir waren davon durchaus angetan. Meiner Gattin stand der Gusto nach klassischen Spaghetti mit Fleischsauce (€ 9,80), mir nach einem Trüffelsrisotto mit Lammrücken vom Grill (€ 19,50). Alles geschmacklich gut, aber leider ein Teil der Spaghetti trocken und hart, und das Risotto eindeutig zu fett, d.h. es hat am Schluss vor dem Servieren zu viel Olivenöl erwischt. Das Lamm aber zart und himmlisch im Geschmack. Das Achterl Wein um € 4,70, der Gelbe Muskateller bestens, der Sauvignon Blanc hat mir nicht geschmeckt, ich weiß aber nicht einmal, von wem er war. Ich hab ihn so langsam getrunken, dass ich es zu keinem Rotwein mehr geschafft habe. Wir haben uns dann noch eine Schokoladentarte geteilt, die ich mit Hilfe eines Espressos und eines milden Grappas Moscato von Nonino auch noch gut vertragen habe. Sie war aber auch wirklich fein. Alles in allem haben wir um € 80.- ausgezeichnet gespeist.

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Vor- und Nachspeise im Altstadthaus: Fischvorspeisenteller nach Art des Hauses und Schokoladentarte mit Beeren

Für unseren Abschlussabend haben wir von einer lieben Mitarbeiterin im Vitalstudio einen wirklich guten Tipp bekommen, nämlich den GenussHirsch in Unterpurkla. Die ehemalige Hendlstub´n Palz wurde mit Jahreswechsel von Fabian Palz von seinen Eltern übernommen und zu einem modernen, aber immer noch heimeligen Restaurant umgebaut. Alles riecht noch ein wenig neu, aber die Gaststube ist groß, und das gut eingesetzte Holz und das Feuer im eisernen Ofen verstrahlen Gemütlichkeit. Schlicht und modern sind auch die Speise und die Weinkarte, zusätzlich hängen noch überdimensionale schwarze Tafeln mit Kreideaufschrift an den Wänden. Die - bis auf das vergoldete Hirschgeweih - so gut wie einzige, aber nicht wirklich passende Dekoration. Der Service einwandfrei, vielleicht etwas direkt, er muss ja nicht unbedingt aus der Gegend kommen.

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Auf dem Weg zum vielleicht besten Nachfolger des Jahres 2018: Fabian Palz vom GenussHirsch in Unterpurkla

Die erste Enttäuschung war, dass es weder ein Gedeck noch einen Gruß aus der Küche gab. Das war wahrscheinlich die Strafe dafür, dass wir kein Überraschungsmenü gewählt hatten, sondern à la carte essen wollten. Der Nebentisch – auf den ich auch nochmals zurückkommen werde – hatte sich fürs Menü entschieden und bekam dafür sowohl ein Körberl als auch einen Gruß aus der Küche. Wir waren aber mit den Vorspeisen – eine Kürbiscremesuppe mit knusprigen Risottoknödeln und Kernöl bzw. gefüllte Brandteigkrapferl mit Kürbiskerncreme/Orangen-Fenchelsalat und Paprika-Chili-Dip durchaus zufrieden. Besser geschmeckt hat die Kürbiscremesuppe, und die Idee mit dem separat servierten Risotto-Knödel war genial.

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Martini beim GenussHirsch: Gebratene Gänsekeule mit Rotkraut           Gelungenes Duett von der Banane & Schokolade

 Auch von den Hauptspeisen waren wir durchaus angetan. Meine Gattin hat die geschmorten Schweinsbackerl mit geräuchertem Kartoffelpüree, Gemüse und Röstzwiebel-Soße um € 12,80 sehr genossen. Meine gebratene Gänsekeule im Natursafterl mit Rotkraut, Grammel-Kartoffelknödel und Maroni-Salbeibutter um € 16,90 war zum Niederknien. Wenn Sie mich fragen, würde ich zum ohnehin nicht sehr mageren Ganserl allerdings keinen fetten Grammelknödel servieren. Noch dazu hat mir persönlich der Teig nicht besonders geschmeckt – er war mir zu mehlig – meiner Gattin allerdings schon. Lassen Sie mich das Essen würdig abschließen, was meine Gattin mit einem Duett von der Banane & Schokolade (Bananeneis, Schokoladenmousse-Würfel, Bananen-Wan-Tan und Schokoladensauce) und ich mit vier verschiedenen Sorbet-Variationen am Eisblock dann auch taten. Die Bananen-Wan-Tan-Tasche war irgendwie nicht richtig am Platz und schmeckte auch nicht besonders aufregend, die Sorbets waren alle vier sehr fruchtig, aber auch ein bisschen sauer. Auf jeden Fall ein absoluter Eyecatcher. Aber beim Steira Wirt sind sie nicht nur schöner, sie schmecken auch etwas besser (siehe mein Bericht von Bad Gleichenberg).

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             Kürbiscremesuppe mit knusprigem Risottoknödel                Schweinebackerl mit geräuchertem Kartoffelpüree

Mit einem sehr bescheidenen Getränkekonsum - nur ein kleines Bier und einem Achterl vom Blauen Zweigelt - belief sich die Rechnung dann auch auf wohlfeile € 70.- inkl. Trinkgeld. Noch eine letzte Episode von dem als freundlich und um seine Gäste bemüht beschriebenen Chef Fabian Palz. Er kam wirklich aus seiner Küche und lief schnurstracks zu dem mit den drei ihm offensichtlich bekannten Personen, die das Überraschungs-Menü gewählt hatten. Nach einem kurzen Small-Talk bemühte er sich noch mit einigen freundlichen Worten um einen zweiten Tisch mit seinen Arbeitern. Das ließ sich zumindest aus der Kleidung und dem Gehabe der Männer an diesem Tisch schließen. Meine Gattin und mich am dritten besetzten Tisch hat er, wie ein Wiener sagen würde „nicht einmal ignoriert“. Aber das muss er ebenso wie das eine oder andere in der Küche noch lernen. Damit er nicht vorzeitig das Schicksal einiger anderer unserer Lieblingsrestaurants - wie jenes des Stöckl-Wirtes in Straden oder jenes des Königsberger-Hofes in Tieschen – erleidet. Nichts desto trotz haben wir ihm vor dem gehen unsere Stimme beim Voting für den „Follower des Jahres 2018“ gegeben!

Auf dem Nachhauseweg gab es noch den um diese Jahrszeit schon obligaten Stopp im Kürbisparadies Diepersdorf. Wir brauchten drei Kürbisse zum Aushöhlen bzw. Schnitzen für Halloween, und einen Speisekürbis zum Verkochen. Und im Bauernladen wurde dann noch eine gute steirische Jause (Verhackertes, Kernölaufstrich und Liptauer, Kübelfleisch, eingelegter Kürbis und verschiedene Jausenwürste) eingepackt. Gekocht habe ich zuhause übrigens ein Kürbisgulasch und einen Kernölgugelhupf, beides sehr zur Zufriedenheit meiner Gäste. Die Rezepte dafür finden Sie im Rezeptteil.

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Erster und letzter Stopp in Diepersdorf: Kürbisse (und was wir daraus gemacht haben) und ein guter Hofladen