Heckmann kocht!

Weinreise 2017 - Krems- und Traisental

Die Fünfziger auf Tour

Weinreise 2017 ins Krems- und Traisental

Nach den Abstechern in den letzten drei Jahren nach Italien - erst Südtirol, dann Friaul und zuletzt Piemont - blieben wir bei unserer heurigen Weinreise wieder einmal im guten alten Österreich. Ziel unseres Weinquartetts waren das Krems- und das Traisental, und es war ein lohnendes. Die Vorbereitung und Reiseleitung lag auch wieder einmal in den Händen von Jakob, der ein interessantes und abwechslungsreiches Programm vorbereitet hatte.

Wir starteten am Freitag, 9. Juni 2017. Nach dem Einsammeln aller Teilnehmer ging es auf die Autobahn bis St. Pölten und von dort weiter ins Stift Herzogenburg. Nach einer kurzen Besichtigung ohne Führung fanden wir den direkten Weg in den Klosterladen bzw. ins Klostercafé. Zu einem Begrüßungsachterl Messwein oder einem Espresso hat die Zeit gereicht, ebenso zu einem kurzen Spaziergang ins Ortszentrum. Das im Traisental liegende barocke Kloster der Augustiner-Chorherren bewirtschaftet immerhin 30 ha Weingärten und hat natürlich ein eigenes Stiftsweingut (www.stiftsweingut-herzogenburg.at).

 Wein 17 Schlossrest. Baltasar Buffet Wein 17 Schlossr. Baltasar Backerlgulasch

Großes Backergulasch mit Handsemmel im schönen Hof des Schlossrestaurants Balthasar in Walpersdorf

Zum Mittagessen wartete auf uns ein reservierter Tisch im zauberhaften Hof des Schloss-Restaurants Balthasar in Walpersdorf. Unsere Bestellung war sehr vielfältig: Hausgemachte Schlutzkrapfen (€ 16,50), zweimal die Milzschnitten-Suppe (€4,90) gefolgt von einem großen Backerlgulasch mit Handsemmel, sowie ein Wiener Schnitzel vom Kalb mit Petersilienkartoffeln, Blattsalat und Preiselbeeren (€17,50). Das Bier dazu kam was das Helle betrifft aus der Brauerei Weitra, das Trübe vom Tiger-Bräu Groß Gerungs. Die gesamte Rechnung belief sich inkl. Trinkgeld auf 95.- €. Ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältnis, vom schönen Ambiente ganz zu schweigen. Auf die Nachspeise mussten wir leider verzichten, schließlich galt es den Bummelzug an der Schiffsanlegestelle Krems-Stein zu erwischen.

Der Bummelzug bzw. Krems Wachau Express (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) startete pünktlich um 14.00 h zu seiner etwa einstündigen Rundfahrt. Lokführer „Gauli“, zweifellos ein Kremser Original, führte uns mit sicherer Hand einmal gemächlich und einmal in wilder Fahrt (Originalzitat: „Wir schalten jetzt wieder unsere Klimaanlage kurz zu….“. Von einer Einführung in das Weinbaugebiet Wachau und seine Weine und die Marille („Aprikosen gibt es nicht!“) über das ehemalige Kapuzinerkloster Und mit der Österreichischen Weinakademie gab es Infos zu Geschichte und Kultur und viel Humor obendrein. Krems ist wirklich reichlich ausgestattet mit Kirchen und mit Wein und leistet sich auch ein eigenes Stadtweingut.

Krems Wachau Bummelzug  Krems Wachau Bummelzug Gauli

Mit dem Krems-Wachau-Express und Lok- und Reiseführer Gauli durch die schöne stadt Krems "bummeln"

Nach diesem kulturellen Einschub stand dann der Wein erstmals so richtig im Mittelpunkt. Wir besuchten (unangemeldet) das Weingut Sepp Moser in Rohrendorf (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Familie Moser ist eine der größten, traditionellen Weinbau-Dynastien Österreichs und gründete das Weingut bereits 1848. Neben dem Weingut im Kremstal wird noch eines im Neusiedler Seewinkel bewirtschaftet. Eindrucksvoll ist nicht nur das prächtige Atriumhaus, sondern vielmehr auch die Nachhaltigkeit, mit der der Weinbau heute betrieben wird. Nikolaus Moser empfing und betreute uns aufmerksam, und er ließ uns verkosten, was immer unser Herz begehrte. Ich war insbesondere angetan vom Blanc de Blanc Sekt, der zu 100% aus Chardonnay-Trauben hergestellt wird. Mitgenommen habe ich mir allerdings einige Flaschen vom Sauvignon Blanc 2016 und vom Grünen Veltliner Gebling 2015 aus dem Kremstal, sowie vom Pinot Blanc 2015 aus dem Burgenland. Ein bisschen teuer ist er schon, der Moser, aber auch sehr gut!

Sepp Moser Weingut  Sepp Moser Weinverkostung

Ein Genuss für alle Sinne: Weinverkostung mit Nikolaus Moser auf dem prachtvollen Weingut in Rohrendorf

Nach dieser freundlichen „Einkehr“ ging es schnurstracks die wenigen Kilometer in unser Quartier, nämlich ins Weingut bzw. Gästehaus Rosenberger in Rohrendorf. Dort warteten nicht nur vier ausgesprochen schöne und moderne Zimmer mit noch schönerer Aussicht auf uns, sondern auch eine überaus freundliche Gastgeberin. Da die Familie eine auswärtige Verpflichtung hatte, überließ sie uns für den Abend nicht nur eine sehr appetitliche und riesige Heurigenjause, sondern auch alle gut gekühlten Weine des Weingutes Rosenberger zur freien Entnahme und Verkostung. Mehr braucht es eigentlich nicht, um schließlich satt und überaus zufrieden ins Bett zu fallen.

  Cafe und Gästehaus Rosenberger Wein 2017 Winzerjause Roenberger

   Bestens untergebracht und bewirtet: Winzerjause und Weinverkostung im Gästehaus Rosenberger in Rohrendorf

Nach einem späten Frühstück im angeschlossenen Café - gehört zum Weingut, ist aber verpachtet - machten wir uns am Samstag, 10.Juni 2017, auf den Weg in das nahe Krems. Am Steinernen Tor erwartete uns schon unsere Führerin Helma Johanna zur „Genuss-Stadt-Führung“. Es folgte ein gelungener Spaziergang durch die Stadt mit zahlreichen kulturellen Stopps und drei kulinarischen Stationen: 1 Paar Mini-Frankfurter bei Feinkost Ellinger (natürlich mit Kremser Senf), eine Kostprobe edler Schokoladen in der Konditorei Hagmann, sowie eine abschließende Weinprobe in der Vinothek „Weinhimmel“. Diese kleine Wein- und Genuss-Boutique inmitten der Kremser Altstadt wird von Familie Gänsdorfer geführt, die auch einen eigenen kleinen Weingarten bewirtschaftet.

Genuss Tpour Krems Würstl und Senf  Genuss Tour Krems Schokolade

Genuss-Tour mit Frankfurter und Kremser Senf beim Ellinger und Schokolade und Kaffee beim Hagmann

Gestärkt durch die Kostproben einerseits, aber natürlich auch ausgezehrt vom Spaziergang andererseits, machten wir uns ernsthafte Gedanken über das heran nahende Mittagessen. Hatten wir doch in den Nachrichten gehört, dass die ursprünglich geplante Terrasse im Stift Göttweig höchstwahrscheinlich nicht in Frage kommen wird. Dort hatten sich einige EU-Spitzenpolitiker versammelt, sodass wir das Benediktiner Stift wegen der zu erwartenden Behinderungen kurzerhand aus unserem Programm gestrichen haben. Auf Anraten unserer Führerin haben wir uns dann entschlossen, den Landgasthof Schickh in Klein Wien am Fuße des Göttweiger Berges aufzusuchen. Ein weiser Entschluss, wie es sich letztlich herausgestellt hat. Das schönste am Schickh ist wahrscheinlich sein großer und prachtvoller Gastgarten mit Kastanienbäumen, der an diesem Samstag auch ziemlich voll war. Obwohl offensichtlich nicht zu wenig Personal im Dienst war, dauerte das Essen doch ziemlich lange. Auf der Speisekarte findet man traditionell österreichische Küche und gepflegte - vor allem regionale - Weine. Ich konnte einfach den gebratenen Kalbsnierenscheiben mit Fettranderl in Pfeffer-Kognak-Safterl um € 20,80 nicht widerstehen. Der Wechsel der Beilage - ich mag wirklich keinen Erbsenreis - machte keinerlei Probleme. Die Nierndlscheiben selbst schmeckten gut aber nicht umwerfend, weil die Sauce etwas bitter war. Offensichtlich hatten sie etwas zu viel Kognak erwischt. Das Pariser Schnitzel mit Erbsenreis und Kartoffelsalat (€ 15,80) war gut, am besten schmeckte der Kartoffelsalat. Auch der Caesar Salat mit Parmesanspandln und knusprigen Speck (€ 9,80) entsprach. Die Frittatensuppe (€ 4,00) in einem relativ großen Suppentopferl mit kernigen Frittaten und Gemüseeinlage fand noch Zustimmung, schon etwas weniger dann Schickhs Grammelknöderl auf Rieslingkraut (€ 9,90), die leider nicht ganz durch waren. Das Rieslingkraut war dagegen zu sehr durch (etwas matschig) und zu sauer. Mit dem Gedeck, sechs kleinen und einem Pfiff Bier (Bio-Zwickl) sowie zwei Colas Zero bezahlten wir nicht ganz € 100.-. Das Preis-Leistungsverhältnis also absolut in Ordnung.

Wein 2017 Gastgarten Schickh Wein 2017 Schickhs Niernradln

Très chic im Gastgarten vom Schickh in Klein Wien                 Trés bien die Kalbsnierenscheiben im Kognaksafterl

Der Nachmittag war wieder ein absoluter Höhepunkt, nämlich die Besichtigung mit Weinverkostung im nahegelegenen Weingut Fink in Wölbling an den südlichen Hängen des Dunkelsteiner Waldes. Neben verschiedenen Lagen im Krems- und Traisental betreibt Familie Fink auch Weingärten in der Region Neusiedlersee/Hügelland. Begünstigt durch das Klima werden auch verschiedene Obstarten kultiviert und zu feinen Bränden weiterverarbeitet. Ein zünftiger Heuriger darf natürlich auch nicht fehlen. Chefin Elisabeth führte uns fachkundig durch den gesamten Betrieb, wobei insbesondere die liebevoll und kunstgerecht aus Ziegelsteinen gemauerten Kellergänge in Erinnerung blieben. Selbstverständlich ließ sie uns dann aus dem vielfältigen Angebot auch das eine oder andere verkosten. Ich persönlich bin natürlich wieder auf den Winzersekt abgefahren, der beim Fink in den Varianten Riesling, Zweigelt oder Rosé um € 10.- zu haben ist. Ansonsten hat uns – beginnend vom Blanc de Blancs die verschiedenen Grünen Veltliner und Chardonnays bis zu den Rieslingen doch das eine oder andere Tröpferl so gut gemundet, dass es mit uns die Weiterreise antreten durfte.

Fink Verkostung im Weinkeller 6.2017 Fink Heuriger Ruhe vor dem Sturm 6.2017

Auf jeden Fall einen Besuch wert: Kellerführung und Weinverkostung mit Elisabeth beim Fink in Wölbling

Nach einer kurzen Rast im Quartier waren wir uns schnell einig, auf die Fahrt in die Stadt Krems zum Heurigen zu verzichten. Auf Empfehlung unserer Vermieterin – angeblich sogar ein Ex-Haubenkoch - haben wir uns entschlossen, das Abendessen im Weingut und Heurigen Hutter am Rande von Krems, am Weinzierler Berg, einzunehmen. Unsere Wirtin hat uns freundlicherweise auch dorthin gebracht. Gleich vorweg gesagt: es war gut und fast alles in Ordnung, aber so gut war es auch wiederum nicht. Das Service und die Getränke - vom Zwickl Bier über die vom Hause stammenden Grünen Veltliner bis zum Riesling - waren bestens. Sehr schön der Gastgarten mit Aussicht. Das Angebot an Speisen war regional, aber vielfältig. Wir bestellten gebackene Blunzn auf Kartoffel-Vogerlsalat mit Senf und Kren (€ 12,90), Steirisches Wurzelfleisch mit Salzkartofferl, Wurzelgemüse, Kren und Kürbiskernöl (€ 14,20), klassische Rindsuppe und Hirschragout mit Speck, Pilzen, Serviettenknödel und Preiselbeeren (€ 15,50) und gegrilltes Zanderfilet mit Eierschwammerl-Risotto, Gemüse und Safransauce (€ 18,20). Überall gab es eine Weinempfehlung dazu, zum Zander z.B. einen Grünen Veltliner Reserve. Das Hirschragout hat geschmeckt, trotzdem ist mehr als ein Drittel übrig geblieben. Die Portion war einfach zu groß. Ich habe von meinem Risotto auch mehr als die Hälfte übrig gelassen. Schuld waren die vielen gelben Maiskörner, die ich einfach nicht mag, und von deren Existenz ich bei der Bestellung auch nichts ahnen konnte. Das habe ich dann auch beim Kellner reklamiert, in einem Schwammerl-Risotto mit Gemüse braucht es keinen Mais mehr. Auch beim Wurzelfleisch ist einiges übrig geblieben, das Fleisch war nicht gerade das zarteste. Mit dem Gedeck (ein speckiges „Einstandsbrettl“) und doch dem einen oder anderen Glas Wein haben wir dann € 107,60 bezahlt, bevor es mit dem Taxi wieder zurück ins Quartier ging.

Hutter Risotto 6.2017 Hutter Blunznrdln geb. 6.2017

Gegrilltes Zanderfilet auf Eierschwammerl-Risotto und gebackenen Blunzn auf Kartoffel-Vogerlsalat mit Senf und Kren

Damit wären wir schon beim Sonntag, 11.6.2017, unserem dritten und zugleich schon wieder vorletzten Tag gelandet. Und wie es sich an einem Sonntag gehört, gab es auch ein besonderes Programm. Der Vormittag war einem Besuch der berühmten Sandgrube 13 gewidmet, dem Weingut der Winzer Krems an der gleichnamigen Adresse. Über 8 Stationen unternahmen wir eine etwas andere, fachkundig geführte Reise durch die Faszination Wein. Nicht ganz unähnlich dem Loisium in Langenlois. Schaubilder, Austellungsobjekte, ein Video und natürlich die eine oder andere Kostprobe wechselten sich dabei ab. Und am Ende noch eine Verkostungs- und Einkaufsmöglichmöglichkeit quer durchs ganze Sortiment.

Sandgrube 13 Weingarten Sandgrube 13 Gruppe Innen

Eine TOP-Adresse für Weinliebhaber: Sandgruppe 13, das Weingut der Winzer Krems

Nach einem kurzen (ungeplanten) Stopp bei einem Oldtimertreffen in Rehberg nahmen wir mittags im geschützten und gemütlichen Innenhof des Restaurants im Weingut Nigl in Senftenberg Platz. Vom Gastgarten aus hat man einen schönen Ausblick auf die Burgruine Senftenberg und die umliegenden Weinlagen. Der Nigl kann es sich schon leisten, trotz des sehr gut besuchten Restaurants und doch einigem Betrieb im Hotel am Sonntag das Weingut geschlossen zu halten. Es gibt keine Besichtigung oder Verkostung und auch keinen Weinverkauf. So konnten wir uns also ungestört aufs Essen konzentrieren. Die Bestellung fiel uns leichter mit einem guten Zwettler Bier vom Fass. Ich entschied mich für ein schaumiges Kernöl-Süppchen mit knusprigem Schwarzbrot und gebeizter Lachsforelle um € 5,90 gefolgt von einer mittleren Portion vom Beef Tatar mit Wurzelbaguette um € 16,50. Die kleine Portion davon kostete € 12,50 und wurde von meinem Freund Helmut als Vorspeise gewählt. Er ließ dann eine Saltimbocca vom Spanferkelrücken mit grünem Spargel und Thymian-Erdäpfel um € 23,50 folgen. Jakobs Wahl fiel – nach einer kräftigen Rindsuppe mit Frittaten und Griesnockerl um € 4.40 - auf hausgemachte Tagliolini mit Spargel und Kirschtomaten um € 15,50. Richard schließlich hatte sich fürs klassische Backhenderl mit Erdäpfel-Vogerlsalat entschieden, ebenfalls um € 15,50. Vorab kam auch das Gedeck auf den Tisch, bestehend aus einer Olivenpaste, gesalzener Butter und Bauernspeck. „Da gibt es nichts zu meckern“ würde Starkoch Schuhbeck zu diesem Mitagessen sagen, und auch ich hätte kaum etwas dazu zu fügen. Wir hattten zwar kein Dessert und auch kein Schnapserl, aber mit vier kleinen Bieren und sechs Achterl vom Riesling Piri belief sich die Rechnung dann doch auf € 166,30. Damit war der Nigl das teuerste Essen während unserer gesamten Weinreise, aber mit Sicherheit auch das Beste.

Nigl Gruppe 6.2017 Nigl Spanferkel 6.2017

Tafeln wie Gott in Frankreich - Saltimbocca vom Spanferlerücken mit grünem Spargel und Thymian-Erdäpfel vom Nigl

Auf der Rückfahrt über die eine oder andere Kellergasse landeten wir schließlich in Ahrenberg, wo uns beim Kellergassenfest „kulinarische Köstlichkeiten und erlesene Weine“ erwarteten. Mit Ausnahme unseres Freundes Helmut – der ein sehnsüchtiges Auge auf die frischen Steckerlfische geworfen hatte – waren wir ja Gott sei Dank nicht hungrig. So konnten wir den vielfältigen Versuchungen – vom Krenfleisch über den Bauernschmaus bis zum Kümmelbraten und vom Wildragout über die Blunzn bis zu Grammel- und Fleischknödeln - einigermaßen widerstehen. Sogar die Palatschinken, Waffeln und selbstgemachten Mehlspeisen ließen uns nicht schwach werden. Nur das eine oder andere Achterl konnten wir uns letztlich doch nicht verkneifen.

Ahrenberg Kellergassenfest  Ahrenberg Steckerlfische

Objekt der Begierde beim Kellergasssenfest in Ahrenberg: Die frisch geräucherten Steckerlfische

Am Abend wollten wir die Kirche im Dorf lassen und hatten beim Heurigen Ossberger in Rohrendorf reserviert, bei dem „ausg'steckt“ war. Der Gastgarten war an diesem schönen Abend bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Speisenauswahl war rustikal, in Jausenqualität sozusagen. Ich hatte eine Portion durchzogenes Surfleisch (€ 3,50), das ausgezeichnet schmeckte. Auch Richards Schmalzbrot mit Zwiebeln (€ 1,60) und die darauffolgende Portion Eieraufstrich (€ 2,80) waren in Ordnung. Die saure Extrawurst (€ 3,50) und der Schweinsbraten (ebenfalls € 3,50) waren sowieso bestens. Nachdem wir am Nachmittag so standhaft gewesen waren, vergönnten wir uns auch die eine oder andere Nachspeise wie z.B. einen süßen aber eher trockenen Grammelstrudel (€ 2,20) oder eine üppige Cremeschnitte (€ 2,60). Bedingt durch die sommerlichen Temperaturen und das deftige Essen flossen auch reichlich Wein und Mineralwasser. Dennoch fiel die Zeche mit insgesamt € 50.- kaum ins Gewicht. Hugos Heuriger im Winzerhof Ossberger in Rohrendorf ist also ein wirklicher Geheimtipp.

Heuriger Ossberger  Ossbergers Schweinsbraten

Eine gute Adresse: Der Heurige Ossberger in Rohrendorf          Preiswert, appetitlich und gut: Der kalte Schweinsbraten

Das Ende kam viel schneller, als wir alle glaubten. Normalerweise wäre Montag, der 12.06.2017, neben dem Packen und Auschecken auch dem Weineinkauf gewidmet gewesen. Den haben wir in den letzten drei Tagen aber immer gleich vor Ort erledigt. Was noch blieb war eine kurze Führung durch Betrieb und Keller der Familie Rosenberger und der Weineinkauf vor Ort. Der Weinkeller der Rosenbergers ebenso modern wie ihr Wohn- und das Gästehaus. Die Weine sind in jeder Beziehung ausgezeichnet, d.h. sie schmeckten nicht nur uns sehr gut, sondern sie sind auch vielfach prämiert. Erst kürzlich belegte ein Grüner Veltliner vom Rosenberger bei der OÖ. Nachrichten Weinshow im Forsthof in Sierning Platz 2 in der Publikumsgunst. Die Familie Rosenberger betreibt Weinbau seit dem Jahr 1722 und bewirtschaftet derzeit 18 Hektar Rebfläche. Es werden 80% Weiß- und 20% Rotwein produziert. 2008 wurde der Betrieb nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes vollkommen modernisiert. Wir hatten ja schon die Tage vorher Zeit, das Weinangebot ausgiebig zu verkosten. Daher war die Entscheidung trotz des zwar schon ziemlich vollen Kofferraums schnell getroffen: Ein 6er-Karton mit 3 Flaschen Rosé 2016, ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Zweigelt (€ 6,40), und 3 Flaschen Summa Summarum 2014 (eine süße Botrytiscuvée aus Chardonnay und Sauvignon Blanc (€ 10,90) mussten noch mit.

Rosenberger Kellerführung Chef  Rosenberger Kellerführung Gruppe

Hausherr Josef Rosenberger zeigt stolz seinen 2008 völlig umgebauten und modernisierten Weinkeller

Und dann ging es - mit dem einen oder anderen kleinen Umweg - auch schon wieder in Richtung Heimat. Noch eine kleine Spazierfahrt durch das Krems- aber vor allem durch das Traisental, und noch ein Boxenstop. Und der bei einer absoluten Berühmtheit dieses Weinanbaugebietes, nämlich bei Josef Dockner in Höbenbach. Bei allem Respekt für seinen wirtschaftlichen Erfolg: Wenn man heute zum Dockner kommt, glaubt man, man betritt irgendeine moderne Fabrik, wenn es nicht die zahlreichen Flaschen rundherum gäbe. Ich musste ja fahren und auch meine Freunde wollten nicht wirklich etwas verkosten, und schon gar nichts mehr einkaufen. Ich habe daher nur eine Kostprobe vom Sekt aus traditioneller Flaschengärung genommen, der in der Version „Josef Dockner Brut Rosé““ um € 24.- wohlfeil ist. Gekauft habe ich ihn aber nicht, nur ein kleines Glas von der Marillenmarmelade. Die hat meiner Gattin übrigens ausgezeichnet geschmeckt.

Dockner Verkaufsgebäude  Dockner Verkostungsraum

So sehen erfolgreiche Weingüter aus: Die "Fabrik" von Josef Dockner in Höbenbach

Die letzte Station auf unserem Heimweg war das „WirZhaus“ zum Gwercher etwas außerhalb von St. Pölten in Stattersdorf, wo wir - obwohl es noch relativ früh war - unser Mittags- und gleichzeitig Abschiedsessen einnahmen. Um so richtig gemütlich zu sein, ist das Gasthaus eigentlich zu groß. Es bietet spielend Platz für einige Autobusse. Prunkstück ist der überdachte (und beheizbare) Innenhof, der allein 120 Personen Platz bietet. Wir hatten den eher kargen und heißen Gastgarten gewählt, der nur ungenügend von einigen Sonnenschirmen beschattet wurde. Positiv zu erwähnend sind das nette und flinke Service, sowie die Auswahl an landestypischen Speisen mit Schwerpunkt Hausmannskost. Wir wählten zweimal das Menu 1 um je € 7,70 und zweimal die Makkaroni um je € 13,70. Das aus Suppe (Zucchinisuppe und gegen Aufpreis Rindsuppe mit Frittaten) und gebackenem Surschnitzel bestehende Menu war günstig und schmeckte gut. Die Makkaroni mit Flußkrebssauce und gegrillten Garnelen schmeckten ebenfalls gut, waren jedoch mit € 13,40/Person nicht mehr ganz so preiswert und eigentlich auch nicht mehr "landesüblich'". Zusammen mit dem einen oder anderen Krügerl des an sich nicht unbedingt so beliebten Egger-Bieres haben wir insgesamt nicht einmal ganz € 70.- bezahlt. Ein tadelloses Preis-Leistungsverhältnis, nur das nächste Mal werde ich auf jeden Fall einen Tisch im Haus oder im überdachten Innenhof nehmen.

Gwercher Eingang  Gwercfher Hausmannskost im Gastgarten

Auch unsere letzte Adresse war eine gute: Hausmannskost beim Gwercher in Stattersdorf

Damit ging unsere heurige Weinreise ins Krems- und ins Traisental zu Ende. Von den schönen Erinnerungen und auch von den mitgenommenen Weinen werden wir sicher noch einige Zeit zehren. Auch die Entscheidung für das kommende Jahr ist schon gefallen: Unser Ziel wird das Rhein-Mosel Gebiet in Deutschland und damit die Heimat vor allem exzellenter Rieslinge sein.