Heckmann kocht!

Rauner wie rote Rüben

Raunen über das Rauner

Erstaunliches über ein außergewöhnliches Restaurant

Raunen und Staunen kann man über das Rauner in vielfacher Hinsicht. Beginnend mit der Lage im Bulgariplatz-Viertel, das kulinarisch ja eher ein Entwicklungsgebiet ist. Oder kennen Sie vielleicht das Wirtshaus zur Makart-Stub´n? Dann über die hauseigene kostengünstige Parkgarage, die gemeinsam mit der Lage nächst der Autobahn eine Anreise mit dem eigenen Auto zum Vergnügen macht. Weiters über die täglichen Öffnungszeiten durchgehend von 11.00-24.00 h, an Wochenenden und Feiertagen ist allerdings geschlossen. Und auch das anfangs propagierte Frühstücksservice ist bereits Geschichte. Und last but not least über das Lokal selbst, das sowohl von außen als auch von innen herzerfrischend aussieht: Modern und hell mit viel Glas und doch gemütlich, bunt und farbenfroh und doch freundlich, etwas schräg mit zahlreichen hohen Tischen, aber durch reichlich Holz doch ein deutlicher Touch von Heimat und Mühlviertel. Womit wir endlich bei der Speisekarte gelandet wären.

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Das sind die offiziellen Bilder vom RAUNER - So sieht heute ein zeitgemäßes Mühlviertler Wirtshaus aus!

Phillip Stummer als Küchenchef und seine Gattin Sigrid haben den Namen des Lokals nicht zufällig gewählt. Die rote Rübe ist nicht nur namensgebend für das Restaurant, sondern auch das Fundament eines Speisen- und Getränkeangebotes mit starkem, regionalen Bezug. Den selbst kreierten Eistee haben wir zwar nicht probiert, dafür aber die Palatschinke in gesalzener und süßer Form, die ja eine weitere Säule des Angebotes im Rauner darstellt. Aber schön der Reihe nach.

Wir starteten mit Mineralwasser, einem Glas Riesling vom Hiedler und einem Seidel Zwickel-Bier aus Freistadt. Das Bier in Ordnung, gut temperiert und gut ebenso gut gezapft. Der 2016-er Urgesteins-Riesling vom Weingut Hiedler aus dem Kamptal aber eher fad, mit wenig Säure und noch weniger Esprit. Um uns die Zeit zu verkürzen ließen wir uns ein Gedeck um € 2,50/Person bringen. Das stellte sich als gute Entscheidung heraus. Nicht weil die Wartezeiten so lang waren, sondern weil wir uns an drei köstlichen Brotsorten und vier verschiedenen Aufstrichen (Pilzbutter, Topfen, Kürbiskern und Rote Rüben) erfreuen konnten. Dann jedoch kam eine tiefe Enttäuschung, nämlich die Mühlviertler Rahmsuppe mit Schwarzbrotcroutons und Schnittlauch. Dünn und wässrig, fast geschmacklos, aber dafür sauer wie eine Salatmarinade. Kommentar des Kochs zu unserer Beschwerde: Ohne Essig würde die Suppe ja nach gar nichts schmecken!“ Die einzig mögliche Antwort darauf war, die Suppe einfach zurückzuschicken.

Rauner Gedeck Rahmsuppe Rauner

Stark angefangen, aber stark nachgelassen: Lobenswertes Gedeck, dann essigsaure Mühlviertler Rahmsuppe

 Was dann folgte war allerdings deutlich besser. Zum Beispiel die pikanten Palatschinken, die unsere beiden Damen bestellt hatten. Eine mit Pulled Chicken (Hähnchenbrust mit Caesarsalat und Parmesan) und eine mit geschnetzeltem Kalbfleisch (Vitello-Palatschinke) mit Rucola. Große Portionen, ausgezeichneter Geschmack, vielleicht nur ein bisschen zu wenig warm serviert. Wunderbar auch das Rinderfilet meines Freundes, serviert mit Steinpilzen, Vogerl- und Rucolasalat sowie einer Selleriecreme. Aufgefallen ist, dass mein Freund nicht gefragt wurde, wie er sein Filetsteak haben möchte. Es kam dann in etwas medium-rare und war wirklich perfekt. Womit wir dann bei meinem Hauptgericht gelandet wären, einem Surschnitzel vom Eferdinger Landschwein mit Petersilienerdäpfeln und Preiselbeeren. Da kann man normalerweise nicht viel falsch machen, und es war auch alles okay. Zur Begleitung haben wir einen Sauvignon Blanc vom Muster aus der Südsteiermark gewählt, eine deutlich bessere Wahl als die des Rieslings.

Surschnitzel Vitello Palatschinke

Nichts zu meckern gab es über die Hauptspeisen, wie das Landschwein-Surschnitzerl und die Vitello-Palatschinke

Ein wirklicher Höhepunkt waren die Nachspeisen, Palatschinken machen können sie im Rauner. Das beginnt mit der einfachen süßen Palatschinke mit hausgemachter Marillenmarmelade und geht bis zur Triple Chocolate Palatschinke, gefüllt mit weißer und brauner Schokolade, mit Schokoladensauce und Schlagobers. Originell und ebenfalls wohlschmeckend das Affogato, ein Vanilleeislutscher mit einem Espresso. Den vergönnten wir uns dann auch noch, auf einen Digestif wurde aber angesichts der bevorstehenden Heimfahrt mit dem Auto verzichtet. Die € 151,90, die wir letztlich für vier Personen bezahlt haben, muten auf den ersten Blick eher moderat an. Man muss aber bedenken, dass zwei davon überhaupt keinen Alkohol getrunken haben und auch keine Flasche Wein sowie kein Aperitif oder Digestif konsumiert wurde. Wir hatten auch nur jeweils 2 Vorspeisen und 2 Nachspeisen. Ansonsten hätte die Rechnung leicht € 200 und damit € 50.-/Kopf ausgemacht. Das Rauner ist also kein preisgünstiges Lokal, die Preise kann man aber als angemessen bezeichnen. Das Service war im Prinzip gut, flink und höflich, beim Wein wäre allerdings eine kleine Nachschulung nicht schlecht. Diese würde bei dem ohnehin überschaubaren Angebot an offenen Weinen auch gar nicht besonders viel Zeit in Anspruch nehmen.

Das Rauner bietet auch einen Mittagsteller mit jeweils 2 Gerichten - eines davon vegetarisch - zur Auswahl um günstige € 8,50 an. Dazu kann man Suppe und Salat um € 1,50 und ein Dessert um € 2,50 dazu bestellen. Schon allein das wäre - neben zahlreichen anderen – ein guter Grund wieder zu kommen!

Affogato Drei Schoko Palatschinke Rauner

Das Allerbeste kam ganz zum Schluß: Affogata (Eis am Stiel mit Espresso) und Triple Chocolate Palatschinke