Heckmann kocht!

Monte Verde in Linz-Urfahr

Nicht ganz wie im Himmel

Ein Abendessen im Monte Verde

 

„Wie im Himmel“ war der Titel eines Konzertes, das wir an einem schönen Samstagabend im Rahmen des Zyklus „Musica Sacra“ in der Friedenskirche in Urfahr besucht haben. Wirklich himmlisch, was die über 40 Mitglieder des Chores Ad Libitum und die Bläser von Pro Brass da geboten haben, von Händels „Feuerwerksmusik“ bis zu Mark Knopflers „Brothers in arms“. Aber das soll ja eigentlich keine Musik-, sondern eine Restaurantkritik werden.

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Von aussen eher wie eine Bierstube, von innen ein nicht enden wollender Schlauch: Das Monte Verde in Linz-Urfahr

Auf unserer Suche nach einem passenden Restaurant fürs Abendessen sind wir - beginnend vom Polen in der Hafenstraße über den Goldenen Anker - schließlich im italienischen „Monte Verde“ in der Hauptstraße in Urfahr gelandet. Parkmöglichkeit in der näheren Umgebung, nur kurzer Fußmarsch zum anschließenden Konzert in der Friedenskirche, problemlose Reservierung. So weit, so gut. Von außen sieht das Restaurant dann nicht wie ein Italiener, sondern schon eher wie eine Gösser-Bierstube aus. Auch mit dem schlauchförmigen, scheinbar nie enden wollenden Gastraum kann man sich im ersten Moment eher weniger anfreunden. Das Lokal ist riesig und hat sogar noch einen Gastgarten. Entspannen in mediterraner Atmosphäre ist da nur schwer möglich. Man sitzt zwar etwas eng, aber doch halbwegs gemütlich. Nachdem wir um 17.30 h unter den ersten Gästen waren, war auch das Service sofort zur Stelle. Und das Service blieb auch aufmerksam bis zum Schluss, wenn dann auch mit der Zeit dann alles inkl. der Rechnung etwas länger dauerte.

Das sofort bestellte Bier war exzellent, sowohl das helle als auch das trübe von Gösser schmeckte frisch und gut gekühlt. Da ließ es sich schon in Ruhe aussuchen. Diese Ruhe brauchte man auch, denn die Speisekarte ist ebenso riesig wie das Lokal. Da kamen mir schon die ersten Zweifel, ob da alles frisch und mit Liebe und Sorgfalt zubereitet sein kann. Meine beiden Freunde Christa und Joe gingen kein Risiko ein und nahmen jeweils eine Pizza. Brotiger, gut aufgegangener Teig, und ausreichend belegt, einmal mit Salami und einmal mit Gemüse. Eine ausreichend große Pizza gibt´s je nach Belag so um die 10.- €. Auf Wunsch auch etwas kleiner (kostet um € 1,50 weniger) oder gegen einen kleinen Aufpreis mit der einen oder anderen zusätzlichen Auflage.

Monte Verde Minestrone Mai 18  Monte Verde Bärlauchsuppe Mai 18

Wer langt suppt, der lebt lang: Die gute  und große Portion Minestrone und die etwas zu sahnige Bärlauchsuppe

Meine Frau und ich war da schon etwas risikofreudiger und entschieden uns für Suppe und Hauptspeise. Die Minestrone meiner Frau war eine kaum aufzuessende, riesige Portion. Sie sah nicht besonders gut aus, schmeckte aber ausgezeichnet. Als Hauptgericht entschied sich meine Gattin für den Fischteller mit Spargel-Risotto mit einem gemischten Salat (€ 21,40 + € 4,50). Vom Fischteller hat sie die Hälfte übrig gelassen, der eine oder andere Fisch schmeckte eher alt als gut. Das Spargel-Risotto und der Salat waren okay. Meine Bärlauch-Suppe war nicht schlecht, aber mit etwas zu viel Sahne aufgepeppt. Der Bärlauch-Geschmack war da schon fast nicht mehr wahrnehmbar. Übrigens schlugen beide Suppen mit je € 5,20 zu Buche. Als Hauptspeise habe ich eines meiner Lieblingsgerichte gewählt, das ich erst vor kurzem auch in Camaiore in Italien gegessen hatte: Spaghetti Carbonara, so wie die meisten Pasta-Gerichte um die 10.- €. Die Spaghetti durchaus bissfest, aber auch alles in Sahnesauce ertränkt und mit wenig Geschmack. Zur Geschmacksverbesserung half auch der von mir angeforderte, leider sehr feine und industrielle Streukäse nicht viel, da mussten schon Salz und Pfeffer her. Aber wenigstens wickeln ließen sich die Spaghetti etwas besser. Der Riesling vom Dockner aus dem Kremstal war übrigens ausgezeichnet, der hätte auch zu einer kräftigeren Carbonara gepasst.

Monte Verde Fischteller Mai 18 Monte Verde Carbonnara Mai 18

Mit den Hauptspeisen unzufrieden: Fische nicht frisch genug, Carbonara mit zu viel Sahne und zu wenig Geschmack

Nach zwei abschließenden Esspressi ging es an die Rechnung, für ein Dessert ließ der im Anschluss geplante Konzertbesuch keine Zeit mehr. Mit 95.- € inkl. Trinkgeld fiel das Preis-Leistungsverhältnis durchaus positiv aus. Davon machte schließlich mehr als ¼ das Fischgericht mit Salat aus. Ich habe mir meine zusammenfassende Kritik gut überlegt, um mich letztlich folgender Beurteilung von Tripadvisor anzuschließen: "Das Lokal ist grundsätzlich in Ordnung, es gibt jedoch bessere Adressen in Linz". Oder anders gesagt: Als Pizzeria durchaus okay, als Italiener eher nur durchschnittlich. Interessant und zu probieren wären auch die beiden täglichen Mittagsmenüs, die wochentags um jeweils € 8,70 bzw. 9,40 angeboten werden.