Heckmann kocht!

Weinreise nach Friaul

Weinreise nach Friaul – Julisch Venetien

 

Das Land der drei großen Genüsse: Käse – Schinken - Wein

 

Natürlich gibt es landschaftlich schönere Gebiete. Und es gibt auch bessere und berühmtere Weinregionen. Und gut essen kann man auch bald irgendwo. Und man muss nicht immer weit fahren, um ein lohnendes Reiseziel zu erreichen. Aber gibt es das alles in einer einzigartigen Kombination? Ein Gebiet mit Geschichte und Traditionen, wo noch dazu drei oder besser gesagt vier Sprachen gesprochen werden, und wo ebenso viele Kulturen und damit Esskulturen aufeinander prallen? Eine Region mit Bergen und Almen, mit Speck und mit Käse, und dem Meer mit seinen Schätzen, mit Fischen und Garnelen? Und wo uns wir Österreicher sehr wohlfühlen, obwohl dort insbesondere im 1. Weltkrieg blutige Schlachten geschlagen wurden?

 

Diese Region gibt es in Italien (fast) vor unserer Haustüre. Sie heißt Friaul-Julisch Venetien und hat knapp 8.000 km² und etwa 1,23 mio Einwohner. Hauptstadt ist die Hafenstadt Triest, die mit 200.000 Einwohnern etwa die Größe von Linz hat. Und von Linz waren wir - und damit meine ich unsere jährliche 50 iger -Weinrunde - in gut 4 Stunden bei der Grenze in Tarvis. In einer weiteren Stunde gelangten wir an unser erstes Etappenziel, das dem ersten der drei großen Genüsse des Friaul gewidmet war, nämlich dem Montasio-Käse. In der Latteria Malga Montasio wurde dieser berühmteste friaulische Käse verkostet, und zwar in Forme einer Jause mit reichlich Prosciutto, aber auch verkocht mit Pasta. Das „Fricco“ haben wir uns für später aufgehoben.

 

Gewohnt haben wir die insgesamt 5 Tage im Agriturismo Scaccapensieri in Buttrio, etwa 25 Fahrminuten von Udine entfernt. Dieser revitalisierte Bauernhof liegt auf einem Hügel inmitten der Weinberge und wurde von der Winzerin Marina Danieli zu einem Gasthof mit sieben Zimmern und einem Restaurant umgebaut. Unweit des Landgutes und eines weiteren Gästehauses mit Spa liegt übrigens der weltbekannte Industrieanlagenbaubetrieb Danieli, Konkurrent von Siemens-VAI und Lieferant der voestalpine Stahl. Auf dem Landgut hatten wir unsere einfachen Zimmer mit Balkon, und von hier aus haben wir auch unsere täglichen Besichtigungstouren unternommen. Hier gab es unser kleines, tägliches Frühstücksbuffet und wir haben wir auch zweimal köstlich zu Abend gegessen. Und hier haben wir nach Rückkehr von unseren Touren unseren täglichen „Schlummertrunk“ eingenommen.

 

Und damit wären wir auch schon beim zweiten der drei großen Genüsse des Friaul, nämlich beim Wein. Neben einer kleinen Weinbergführung samt Verkostung mit Frau Danieli, einem eher „trockenen weil vormittäglichen Besuch der Vinothek in Cormons, und einer kleinen Führung samt Verkostung beim Gastronomen und Winzer Davino Meroi, hatten wir eine unvergessliche und ausgiebige Verkostung im Weingut Komjanc in San Floriano an der Weinstraße. Dieser Familienbetrieb direkt an der slowenischen Grenze - und insbesondere die Hausherrin Raffaella - verstanden es perfekt, Gastfreundschaft mit Qualität zu verbinden. Nach einem kleinen Rundgang durch Weinberge und Keller kamen wir zum Höhepunkt unserer gesamten Reise: Der Weinverkostung. Diese fiel sehr ausgiebig aus, begleitet von zahlreichen „Leckerbissen“ vom Prosciutto und Käse über ein Focaccia mit Oliven bis zu kleinen Süßigkeiten. Wir begannen mit einem hauseigenen Frizzante (Alexius), und arbeiteten uns dann durch die zahlreichen Weißweine vom Friulano (dem ehemaligen Tocai) über den Sauvignon Blanc und den Malvasia bis zum Pinot Grigio. Dann dasselbe nochmals für die Rotweine, vom Merlot über den Cabernet Franc bis zum Schiopettino. Und ganz zum Schluss, zum Dessert sozusagen, noch einen sündhaften Schluck vom Picolit. Wir haben diese Verkostung und die gute Betreuung wirklich genossen, und auch dementsprechend eingekauft. Des Weiteren haben wir die Gelegenheit genutzt, einen kleinen touristischen Abstecher auf die slowenische Weinstraße zu unternehmen.

 

Womit wir schon beim letzten der großen Genüsse wären, nämlich beim Schinken von San Daniele. Natürlich waren wir bei einem Schinkenproduzenten – in unserem Fall beim Familienbetrieb DOC D´ALLVA - und haben ihn besichtigt und ausgiebig verkostet. Ich möchte den letzten großen Genuss jedoch ein bisschen breiter anlegen, und auf das Essen insgesamt ausdehnen. Wir haben im Friaul ganz ausgezeichnet und exklusiv gespeist, wie z.B. gleich am ersten Abend (Donnerstag) im Al Monastero in Cividale, am Samstag in unserem Restaurant am Bauernhof Scaccapensieri oder am Sonntagmittag bei David Meroi im Al Parco in Buttrio. Wir haben auch einfach und trotzdem köstlich gegessen, z.B. Freitagmittag in einer Osteria mitten im alten Triest oder am selben Tag am Abend in einer Osteria in Udine. Wir haben geschwelgt in Antipasti, in Pasta und Risotto, Fisch und Meeresfrüchten, Fleisch nicht nur vom Fogolar, und manchmal auch im einen oder anderen Dolce. Von den ganz typischen Gerichten des Friaul haben wir wie schon erwähnt den Montasio-Käse und den Prosciutto von San Daniele verkostet. Natürlich auch die Cjarsons, die berühmten gefüllten Teigtaschen und das Fricco. Und von den Süßigkeiten haben wir u.a. den guten Nuss-Rosinen-Kuchen (Gubana) - natürlich mit Slivowitz – probiert. Und aus dem Süden haben uns die panierten Sardinen und die Fischsuppe gut geschmeckt. Von der für Julisch Venetien typischen Küche haben wir uns an einen gut gegrillten Branzino oder an Calimari gehalten.

 

Wenn sie mehr über diese Region, vor allem über ihre Küche, ihre Weine und ihre Restaurants erfahren wollen, kann ich ihnen einige Bücher empfehlen, die ich zuhause habe. Da wäre zunächst „Genießen in Friaul - die besten Adressen zwischen Bergen und Meer, von Silvia Trippolit-Maderbacher. Dann „Friaul - Julisch Venetien – Sieben köstliche Reisen“ von Peter Lexe und Ferdinand Neumüller. Weiters „Traumstraße der Genüsse - Von Venedig nach Triest“ von Christoph Wagner und Kurt-Michael Westermann. Und last but not least die Liebeserklärung des Kriminalautors Veit Heinichen an seine Wahlheimatstadt „Triest - Stadt der Winde“. Versteht sich von selbst, dass in den Büchern auch jede Menge köstlicher Rezepte enthalten sind!

 

Ich hoffe, ich habe ihnen jetzt Appetit gemacht. Auf eine kleine Reise nach Friaul oder zumindest auf eine Spezialität aus dieser Region!

 

Montasio kl. 6.2015

 

Au der Alm hat alles angefangen: Mit einer Jause in der Latteria Malga Montasio

 

Weinkost kl. 6.2015

 

Ein Höhepunkt unserer Reise: Weinverkostung und -einkauf bei Familie Komjuanc

 

Al Parco kl. 6.2015

 

 

Kulinarisch vom Feinsten: Degustationsmenu und Weinprobe im Al Parco in Buttrio

 

Tomahawk Steak

Wie bei den Indianern: Tomahawk Steak

 

Ganz so wild wie bei den Indianern war er nicht, der Grillnachmittag am Fronleichnamstag bei Joe & Christa. Der 4. Juni ist schon eine Zeit her, und ich habe darüber auch bereits kurz auf meiner Startseite „Köstlich Willkommen“ berichtet. Aber dieser Nachmittag ist es wert, noch einmal im Detail besprochen zu werden, insbesondere wegen des prominenten Hauptdarstellers: Dem Tomahawk Steak.

 

Es begann etwas friedlicher, mit gefüllten Tomaten mit Schafskäse-Creme. Eine Vorspeise, die sich auch sehr gut für ein Buffet eignet. Dabei werden Cocktailtomaten ausgehöhlt und mit einer Mischung aus Schafskäse und griechischem Sahnejoghurt gefüllt. Das schmeckt nicht nur sehr gut und sieht auch gut aus, sondern lässt sich ohne großen Aufwand schon rechtzeitig vorher vorbereiten und passt darüber hinaus super in einen warmen Nachmittag.

 

Dann folgten die Hauptdarsteller, zwei mehr als 1,20 schwere Tomahawk-Steaks. Das ist ein Ribeye (Entrecote) am extra langen Rippenknochen, was ihm die äußere Form einer Streitaxt gibt. Die Zubereitungsart ist ähnlich der bekannten Bistecca fiorentina oder einem Porterhouse-Steak. Für alle diese gibt es normalerweise ein vierstufiges Garverfahren: Scharf anbraten, garen auf Kerntemperatur, nachbraten und dann ruhen. Wenn man wie Joe ein „Green Egg“ hat, kann man mit einigem Geschick das scharf anbraten und das garen auf Kerntemperatur im selben Gerät erledigen. Spektakulär im Aussehen, spektakulär im Geschmack, spektakulär auch der Preis. Auf jeden Fall ein ziemlich einmaliges Erlebnis, vielleicht bis zum nächsten weißen Chiana-Rind bei einem guten Italiener oder in der Toskana vor Ort.

 

Zur Abrundung und Erfrischung nach dem erschöpfenden Kampf mit dem Tomahawk gab es schließlich noch eine Hollerblütensirup-Joghurt-Mousse. Fast wie die Vorspeise einfach und schnell herzustellen, sieht gut aus und schmeckt sehr erfrischend. Wobei man dazu sagen muss, dass Joe den Hollersirup selbst macht. Das Rezept dafür war eines der ersten auf meiner Homepage und sie finden es heute noch, auch wenn sie weit zurückblättern müssen. Aber in einem heißen Sommer wie diesem lohnt sich das durchaus.

 

Eines hätte ich ja fast vergessen Ich habe eine Lemon Curd Torte mitgebracht, die auch sehr gut in den heissen Nachmittag gepasst hat!

 

 

Lemon Curd Torte klein

 

Erfrischend zitronig und mehr als gut aussehend: Die Lemon Curd Torte

 

Tomahwak klein

 

Das neue Kampfgerät für den großen Hunger: Das Tomahawk Steak

Gasthof Moser in Neuhofen

Gasthof Moser in Neuhofen

Ein rundherum gelungener Abend

 

Was wünscht man sich mehr, als eine unterhaltsame Tischgesellschaft, ein gemütliches Ambiente, ein höfliches, persönliches und aufmerksames Service und ein ausgesprochen gutes Essen. Das alles hatten wir vergangene Woche im Gasthaus Moser in Neuhofen, wo wir kurzfristig für 6 Personen einen Tisch reserviert hatten. Nun war ja der Moser für mich kein Unbekannter, sondern wir waren früher - als noch die Familie Moser selbst das Gasthaus bewirtschaftete - des Öfteren dort Gast. Seit der Übernahme vor gut einem Jahr durch die „Kochlehrerein“ Elisabeth Irndorfer habe ich zwar viel Gutes gehört, aber noch keine Gelegenheit zum Probieren gefunden. Letzten Mittwoch war es dann soweit, und es war noch weit besser als erwartet. Wir bekamen einen ruhigen Ecktisch im urigen Gewölbe des gut besetzten Lokals. Und die Bedienung war keine alte, sondern eine durchaus jung gebliebene gute Bekannte aus der Moser-Zeit.

 

Es gab ein ausreichendes Gedeck, aber keinen Gruß aus der Küche. Als Vorspeise - bei der mich meine Gattin etwas unterstützte - wählte ich ein Carpaccio vom Mühlviertler Bio-Rind mit Ruccola und Asmante,. Das wäre gar nicht nötig gewesen, denn sie hat mir ausgezeichnet geschmeckt und ich wäre ihr auch durchaus alleine Herr geworden. Bei der Hauptspeise habe ich mich dann für die Lammkrone mit hausgemachten Schupfnudeln und Thymian-Gemüse entschieden. Eine ordentliche Portion, das Lamm auf den Punkt gebraten mit einem guten Natursaftl, und die Schupfnudeln dazu klein aber fein. Noch zu erwähnen das zart geschmorte Gemüse mit intensivem Thymian-Geschmack. Meine Gattin entschied sich für ein Saltimbocca vom Waller auf einem sensationellen Erbsen-Risotto. Als Nachspeise begnügte ich mich mit einem fruchtig-alkoholischem Zitroneneis mit Wodka. Meine Gattin liebte es etwas üppiger und versuchte sich an einem Mascarpone-Erdbeer-Törtchen mit Toffeesauce. Obwohl ganz verschieden schmeckte doch beides gleich köstlich. Des Weiteren wurden an unserem Tisch noch „Allerlei gebackenes Frühlingsgemüse mit Bratkartoffeln und Dillsauce“, einmal als Vorspeise und einmal als Hauptspeise, bestellt. Dann ein kleines Riesling-Beuscherl, sowie zweimal „Ausgelöstes Backhendl mit Erdäpfel-Vogerlsalat„Spinat-Brennessel-Knödel auf Österkron-Sauce“ und ein Erdbeer-Rhabarber Dessert. Alle Gäste waren rundherum zufrieden, das gebackene Gemüse und die Spinatknödel habe ich ebenfalls gekostet, und daher weiß ich auch warum.

 

Als Aperitif startete ich mit einem kleine Zwickel-Bier, und dann bestellten wir zur Vorspeise eine Flasche Grünen Veltliner Federspiel vom Holzapfel. Der passte ausgezeichnet zu den Vorspeisen und wurde auch von meinen Tischgenossen zu ihren Hauptgerichten weitergetrunken. Zu meinem Lamm war ich gezwungen, zu einem Glas Blaufränker zu wechseln. Nach so viel vom guten sahen wir uns veranlasst, vor dem Espresso noch eine Runde Dirndl und eine Runde Waldhimbeergeist zu bestellen. Bei den Getränken kam noch einiges an Bier und Mineralwasser dazu.

 

Die Rechnung fiel mit € 322,80 vergleichsweise moderat aus, wir hatten es uns ja an nichts fehlen lassen. So kann ich nur mit den Wölfen - in diesem Fall mit den OÖ Nachrichten - heulen und zufrieden résumieren: „Die neue Moserin macht ihre Sache sehr gut“!

 

Moser klein

 

Großes Finale: Zahlreiche leere Gläser, gute Nachspeise, angeregte Diskussion

 

 

 

 

 

 

 

 

Steirereck Wien

Steirereck Wien

Die Nummer 1 in Österreich

 

Wenn man vom Stadtpark kommend das Steirereck sieht, glaubt man eher auf ein modernes Museum oder eine Galerie gestoßen zu sein. Aber auch an einem Tag mit schlechterem Wetter sieht man durch die großen Glasscheiben bereits die gedeckten Tische.

 

Wir sind mit dem Zug früh und ohne Frühstück von Linz weggefahren und haben den Vormittag für einen Besuch in der Albertina genützt. Dementsprechend müde und hungrig sind wir bei unserem Gastgeber eingelangt. Der Empfang war überaus freundlich, der Tisch sehr gemütlich und der Aperitif und die Speisekarte ließen nicht sehr lange auf sich warten. Obwohl ich eigentlich so moderne Restaurants gar nicht so gerne mag – und das Steirereck gehört nach seinem Umbau zweifellos zu diesen – habe ich mich vom ersten Augenblick an wohlgefühlt. Dazu hat natürlich auch das aufmerksame, sehr freundliche und unkomplizierte Servicepersonal ganz wesentlich beigetragen.

 

Das Amuse Bouche aus der Küche war schnell auf dem Tisch, und es gab zwei wesentliche Überraschungen: Erstens waren es mehrere Grüße, wie zB. drei verschiedene Sorten Butter, eingelegte, auf Sesam geröstete Pilze, Kräuternesterl oder Stangensellerie-Sticks, und zweitens kam der Mann mit dem Brotwagen. Mit einer Seelenruhe erklärte er sein Angebot von an die zwanzig Brotsorten, vom Blunznbrot über das rote Nußbrot bis zum Ciabatta und Focaccia. Er verteilte seine Köstlichkeiten auch sehr großzügig, und er kam in regelmäßigen Abständen wieder.

 

Aber nun zum eigentlichen Essen. Das Mittagsangebot besteht aus vier Blöcken: Vorspeisen, erster Gang, Hauptgericht und Desserts. Dazu gibt es dann noch Käse aus der eigenen Meierei. Wenn man überall nur kleine Portionen nimmt, kann man sich schön durchessen, aber anstrengend ist es allemal. Ich habe mich bei den Vorspeisen – neugierig wie ich bin – für einen Wildschein-Kopf mit Purple Haze Karotten, Ananas, Radiccio & Buchweizen entschieden. Ein gepöckelter, gekochter und gesulzter Wildschweinkopf mit Ananas-Succo, mariniertem Stangensellerie, fermentiertem Karottensaft und knusprigen Buchweizen. Eine gute Entscheidung, auch wenn es eigentlich nur eine hauchdünn aufgeschnittene und wunderschön garnierte Wildschweinkopfsulz war. Meine Gattin hat sich für Paprika & Melone mit Topinambur, Venusmuscheln & Olivenkraut, entschieden. Eingelegte, gegrillte gelbe Paprika und gebratene Zuckermelone, dazu mit Macademianuss geschmorte Topinambur, gekochte Venusmuscheln, roh marinierter Paprika und Zuckermelone. Sehr leicht und alles sehr stimmig, aber mit etwas wenig Geschmack. Die Altwiener Hochzeitssuppe unseres Gastgebers mit Leberknödel und Grammelstangerl habe ich nur über den Tisch hinweg gesehen, aber nicht gekostet.

 

Als ersten Gang wählte ich die in Nussbutter gebratene Äsche, mit einer gegarten und glacierten Goldrübe. Dazu Götterfrucht Créme mit Krensucco, gedörrte Götterfrucht, Vogerlsalat, Salzkapern und Schalotten-Kapern Buttersaft. Es hat alles gepasst, aber in diesem Fall könnte vielleicht weniger auch wieder mehr sein. Natürlich die Bestandteile und nicht die Menge betreffend. Unser Gastgeber und meine Gattin konnten dem Kalbs-Beuschl mit gedämpftem Schnittlauch-Knödel nicht widerstehen. Diese typische Wiener Spezialität mit allem was dazugehört und begleitet von einem flaumigen und dottergelben Knödel war einfach köstlich!

 

Womit wir schon beim eigentlichen Hauptgang gelandet wären. Ich möchte diesmal bei meiner Gattin beginnen, die sich einem Milchkalb mit Fenchel, Schwarzwurzel und Physalis zuwandte. Das zart geschmorte Schulterblatt vom Milchkalb wurde begleitet von gebratener Schwarzwurzel & Fenchel, Champignons, gedörrten Physalis, gelben Datteln und Pfefferoni. Daran war aber schon gar nicht auszusetzen. Mein Gastgeber und ich entschieden uns für ein Ziegenkitz mit jungen Erbsen, Bärlauch und Morcheln. Das geschmorte Kitzerl wurde von Jungzwiebeln, Erbsenschoten, Bärlauch, gedämpften Morcheln und einer Morchelschnitte kongenial begleitet. Besser geht´s nicht, möchte ich dazu nur sagen.

 

Noch ein Wort zu den Desserts. Meine Mohnnudeln wurden nicht nur sehr originell angerichtet bzw. serviert, sondern schmeckten auch hinreißend. Dazu gab es gehobelte Pistazien und Zwetschkenröster-Eis. Meine Gattin ist ein Milchreis-Fan und kam bei ihrem Milchreis-Soufflé mit rosa Rhabarber & Sauerampfer voll auf ihrer Rechnung. Eine wundervolle Kombination mit gedörrtem und eingelegtem Rhabarber, gedörrten und eingelegten grünen Trauben und Sauerampfer-Sorbet. Und zum sehr nett servierten Kaffee dann noch ein Abschiedsgruß aus der Küche. Wieder nicht einer, sondern gleich mehrere Grüße, wie zB. gebackenen Apfelringe oder verschiedene, kleine Puddings.

 

Zu den Getränken ist zu sagen, dass die Auswahl gigantisch ist. Das geht von einem soliden Aperitif-Angebot über eine überdimensionale Weinkarte bis zu herrlichen Digestifs. Nachdem es erst Mittag war und wir noch einiges vorhatten, haben wir uns vornehm zurückgehalten. Zwei Mode-Aperitifs, eine Flasche guten Rieslings und zwei Gläser vom offenen Blaufränker sind es dann doch geworden. Dazu zwei Espressi und eine Flasche Mineralwasser. Womit wir bei der Rechnung wären, die sich für drei Personen letztlich auf etwas über 400 € belaufen hat. Ich finde das Preis-Leistungsverhältnis durchaus in Ordnung und würde jederzeit gerne wiederkommen. Insbesondere wenn ich bzw. wir wieder eine so nette Einladung bekommen würden.

 

Was mir besonders gefallen hat:

- Das „Schaufenster“ zur Küche, durch das man den Köchen bei ihrer Arbeit auf die

  Finger schauen kann

- Die Kärtchen mit der Beschreibung des Gerichtes für jeden Gang, die man auch mit nach

  Hause nehmen kann

- Der „Brotsommelier“ mit seinem Brotwagen

- Der Lift in den Keller beim unvermeidlichen Weg zu den Toiletten

 

Was mir nicht so gut gefallen hat:

- Die mangelnde Bereitschaft zur Flexibilität beim Kombinieren der Menu-

  Zusammenstellung. So war es nicht möglich, ein einzelnes Gericht aus dem Angebot für

  die mehrgängigen Menus (in unserem Fall wäre es eine Ziegenkitz-Leber gewesen) zu

  bestellen

- Der nachdrückliche Wunsch der Chefin, bei der Bestellung auch gleich die Nachspeise mit zu

  bestellen. Da warte ich normalerweise schon gerne auf meine „Befindlichkeit“ nach dem

  Essen (worauf habe ich noch einen Gusto und wieviel hat eigentlich noch Platz?)

 

Waller kleine

 

Gebratene Äsche mit glacierter Goldrübe, Götterfrucht, Kapern & Kren und Vogerlsalat

 

Milchkalb klein

Geschmortes Schulterblatt vom Milchkalb mit Fenchel, Schwarzwurzel & Physalis

 

Mohnnudeln klein

Gekochte Mohnnudeln mit geröstetem Waldviertler Graumohn und Zwetschkenröster-Eis

Ostermenu 2015

 

 

Wie versprochen nachstehend unser heuriges Ostermenu, das ich für 7 Personen zubereitet habe. Das Vorspeisen-Rezept ist eigentlich ein Vitello Tonnato, anstelle des Kalbfleisches wird einfach ein gräucherter Putenschinken hergenommen. Dieses Rezept finden sie schon seit geraumer Zeit in meinem Rezeptteil. Dort gibt es auch jenes für die Grießknödel, die ich einmal mit frischem Bärlauch als Suppeneinlage und einmal gefüllt mit Marzipan und Nugat als Dessert eingesetzt habe. Die beiden Stelzen sind insgesamt nicht allzu viel Arbeit, sodaß sich der Aufwand insgesamt in Grenzen hält. Das Rezept für die Schweinshaxe (Stinco di maiale al forno con patate e peperoni) gibt es übrigens auch bereit im Rezeptteil. Viel Vergnügen beim Nachkochen!

 

 

5. April 2015

 

Mitterbachhamer Ostermenu

 

 

Aperitif

 

Grüner Veltliner Sparkling 2014

Weingut Sax, Langenlois, Wachau, NÖ

 

 

Vorspeise

 

Tacchino tonnato mit geschmorten Zitronen und grünem Spargel

 

 

Gavi San Pietro DOCG 2011

Tenute San Pietro, Tassarolo, Piemont, Ital.

 

 

Suppe

 

Klare Gemüsesuppe mit Bärlauch-Grießknöderl

 

Weissburgunder 2013

Weingut Sax, Langenlois, NÖ

 

 

Hauptspeisen

 

Schweinshaxe aus dem Ofen mit Kartoffeln und Paprika

 

Kalbshaxe aus dem Ofen in Folie

 

Gurken-, Tomaten- und grüner Salat

 

 

Grüner Veltliner Classic 2012

Weingut Netzl, Göttlesbrunn, Carnuntum, NÖ

 

Crozes Hermitage Les Jalets 2010

Paul Jaboulet Ainé, La Roche, Cotes du Rhone, Frankr.

 

 

Dessert

 

Nugat-Marzipan Grießknödel in Butterbröseln mit Beerenröster

 

Traminer Bisamberg 2011

Weingut Wieninger, Stammersdorf, Wien

 

 

Zum Kaffee

 

Österliche Punschkrapferl

 

Kaffee und Liköre

 

Vitello kl

 

Köstliches (falsches) Vitello mit Thunfischsauce, geschmorten Zitronen und Kapern

 

Kalbsstelez kl

 

Die Kalbshaxe wird mit  feingewiegtem Knoblauch, Salbei, Rosmarin, Salz und

Pfeffer und etwas Olivenöl eingerieben und in Backpapier und Alufolie eingewickelt

 

Punschkrapferl kl

 

Gibt´s nur einmal in Jahr: Monikas köstliche, österliche Punschkrapferl

Die Hofkramerei

Die Hofkramerei – ein ganz besonderer Bauernladen

 

Letzten Freitag gab es bei uns in Mitterbachham ein bisher einmaliges Ereignis: Der Nahversorger „Die Hofkramerei“ hat eröffnet. Mitterbachham ist ein Ortsteil der Gemeinde Oftering, die mitten im Einzugsgebiet zwischen Linz und Wels liegt.

 

Die Hofkramerei wurde von Eva Ehmeier auf dem Hödlgut eingerichtet, das von ihr und ihrem Gatten Wolfgang biodynamisch bewirtschaftet wird. Pferde spielen dabei eine ganz besondere Rolle, aber das lassen sie sich alles zeigen und erzählen, wenn sie demnächst einmal persönlich vorbeischauen. Die Adresse ist 4064 Oftering, Mitterbachhamer Straße 10, die virtuelle Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag von 18.00-20.00 h, Freitag von 9.00 -19.00 h und Samstag von 9.00-13.00 h. Bestellen können sie im Online-Shop rund um die Uhr. Am besten jedoch bis Dienstagmittag, dann können sie sich nämlich ihre Bestellung gleich am darauffolgenden Freitag persönlich abholen.

 

Was es alles gibt, sehen sie im Onlineshop auf der Homepage www.hofkramerei.at. Das Angebot reicht vom frischen Bioschweine-und Rindfleisch über Biobrot- und -gebäck bis zu Milch und Milchprodukten und Wurst/Würstel und Speck. Natürlich auch jede Menge sonstiges wie zB. Teigwaren, Marmeladen, Öl, Essig und Wein. Und selbstverständlich auch frisches Obst und Gemüse der Saison.

 

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, den Eröffnungstag zu nutzen. Der Laden ist geschmackvoll und originell eingerichtet, eine Freude für das Auge gleich beim Betreten. Um auch dem Gaumen und dem Magen eine Freude zu bereiten, habe zunächst die eine oder andere Köstlichkeit probiert. Z.B. Mangalitza-Speck und Goudakäse in Demeter-Qualität. Und ich habe auch einiges gekauft: Einen Kräuteraufstrich, eine Verjus (ein saurer Saft zum Würzen aus unreifen Trauben hergestellt), ein Flasche Weißwein (Flora-Cuvée aus Riesling, Gelber Muskateller, Sämling und Rivaner von Michael Gindl aus Hohenruppersdorf im Weinviertel, den ich heute zum Spargel gleich verkosten werde) und ein Säckchen Muschel-Weizennudeln (Orchiette) vom Biohof Pevny aus Niederneukirchen.

 

Wenn sie - was ich doch hoffe - den Bioladen demnächst besuchen, sind sie ganz in meiner Nähe. Schreiben sie mir bitte ihre Erfahrungen!

 

Hofladen 4

 

Hereinspaziert -  die Hofkramerei in Oftering hat eröffnet

 

 

Hofkramer 2 kl

 

Gesund und frisch: Obst und Gemüse aus biologischem Anbau

 

Hofladen 3 kl

 

Am Eröffnungstag: Vielfältige Kostproben der ganz besonderen Art

Kikeriki

Kikeriki oder Huhn & Co

 

„Da gackern ja die Hühner, aber nicht mehr lange“ stand schon in der überaus gelungenen Einladung des jungen Michael mit der untenstehenden Zeichnung, die sich dann auch auf der Speisekarte wieder fand. Michaela & Karl hatten zum turnusmäßigen Genießer-Treff in Karls Loft nahe der Donau geladen, und (fast) alle waren dieser Einladung gefolgt.

 

Nach einem Aperitif (mit Porsche-Eiswürfeln) mit atemberaubender Aussicht ging es dann sogleich zu Tisch, wo wir eine überaus umfang- und abwechslungsreiche Speisekarte vorfanden. Eines war aber bei nahezu allen Gerichten gleich: Es ging um Huhn und Hühnerprodukte. Wir starteten mit Prosecco und Bier und einer ganzen Serie von Vorspeisen: Zunächst kamen Tartelettes aus Mürbteig mit Räucherforellen & Kaviar. Michalea berichtete von ihren nachmittäglichen Problemen mit dem Mürbteig, der –-so einfach er auch ist - nicht immer so gelingt wie man sich das wünscht. Die Tartelettes waren jedenfalls zart, die Räucherforelle mit Kren und Radieschen ebenfalls zart und „rauchig“ mit leichter Schärfe. Als idealer Begleiter erwies sich ein steirischer Sauvignon Blanc, und auch Bier (zB. Trumer Pils) machte eine gute Figur. Es folgte eine Hühnersuppe mit italienischer Nudeleinlage und Gemüse. Ein delikater Magenschmeichler, der alleine auch schon als Vorspeise gereicht hätte. Wir haben dazu zunächst einen „Schmeckerten“ probiert, in diesem Fall ein Traminer aus Klöch, der jedoch die eher zartgliederige Suppe erschlagen hätte. Weiter ging es mit Spaghetti-Nestern mit pochiertem Ei, prachtvoll anzuschauen in seine Farbenvielfalt, ein Kunstwerk das aufgesetzte poschierte Ei und sehr dezent im Geschmack. Ein ebenso zartgliedriger Malvasia aus der slowenischen Küstenregion passte dazu hervorragend. Michaela musste natürlich erklären, wie es ihr beim Poschieren ergangen war.

 

Dann kam der Hauptgang, den sich vor allem Karl gewünscht hatte: Jedem Gast sein eigenes Brathähnchen mit Semmel-Champion-Fülle und Knusperkartoffeln. Dazu Endiviensalat mit Kartoffeln & Kernöl. Köstlich, saftig, g´schmackig und noch dazu schön anzuschauen. Dennoch reichte es bei den meisten nur für ein halbes Huhn, zu gut hatten wir dem bisherigen Angebot bereits zugesprochen. Dazu erkämpfte sich ein frischer Gemischter Satz vom Wieninger aus dem Jahr 2014 seinen Platz. Da hatte es ein roter Umbrier schon etwas leichter, mit den Röstaromen des Brathähnchens zurechtzukommen. Jetzt war es höchste Zeit für einen Verdauungsschnaps, der im Wesentlichen von Gölles (Hirschbirne, Marille, etc.) stammte. Aber auch Averna und Fernet fanden ihre Abnehmer. Den süßen Abschluss bildete eine Eierlikörcreme, originell serviert in Eierschalen. Und für die abstinenten Gäste eine nicht nur schön anzuschauende Kastaniencreme im Glas mit Birnenmus und Granatapfelkernen. Dazu war ein von Gastgeber Karl hervorgezauberter Sauternes natürlich der ideale Begleiter. Aber dann war noch lange nicht Schluss, denn es folgte noch eine kleine Käseplatte mit einem Schluck Roten. "La Vielle Ferme", ein absoluter Geheimtipp von der südlichen Rhone (eine Cuvée aus Grenache, Syrah und Mourvedre) mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis, hat sehr gut gemundet. Lange nach Mitternacht aber rechtzeitig vor der nächsten Runde Schnaps gelang uns dann die Flucht, natürlich nicht ohne uns vorher gebührend bei den Gastgebern zu bedanken.

 

 

Kikeriki Hühner 3.2015 klein

 

Da lachen ja die Hühner: Die köstliche gefüllten Hauptdarsteller des irkeriki-Abends

 

Kikeriki-Pochiertes Ei - klein

 

Schön anzuschauende und köstlich schmeckende Spaghetii-Nester mit pochiertem Ei