Heckmann kocht!

Mohnkirtag Armschlag

 

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Mohnkirtag in Armschlag

 

Armschlag zählt nur 85 Einwohner und gehört zur Gemeinde Sallingberg im Bezirk Zwettl im Waldviertel. Man muss von St. Pölten noch gut 40 km nach Norden fahren, um in diesen kleinen Ort zu gelangen. Ich war heuer am Sonntag, dem 18. September, als Reiseleiter mit einem Autobus vom heimischen Siedlerverein dort. Ich möchte ihnen kurz erzählen, warum sie das auch einmal tun sollten.

 

Armschlag hat sich ganz dem Mohn gewidmet, und bietet das ganze Jahr interessante Veranstaltungen zu diesem Thema an. Höhepunkt aller Aktivitäten ist aber der jedes Jahr der am 3. Sonntag im September stattfindende, schon traditionelle Mohnkirtag. Über 70 Aussteller bieten zahlreichen Spezialitäten aus Mohn zum kaufen und zum verkosten an: Gemahlenen und ungemahlenen Grau-und Weißmohn, Mohnstrudel und andere Mohnmehlspeisen, Mohnschokolade und Mohnöl, Mohnschnäpse und -liköre, Mohnmarmeladen und -pesto, Mohnhonig und -senf, und Mohnbrot und -käse. Neben kulinarischen Köstlichkeiten gibt es auch Kosmetikprodukte aus Mohn, wie z.B. Seifen, Massageöle oder Körpermilch. Daneben werden auch kunsthandwerkliche Erzeugnisse aller Art und Trachtenmode ausgestellt und feilgeboten. Für Unterhaltung sorgt ein abwechslungsreiches Showprogramm, u.a. mit Musikkapellen, Volkstanzgruppen oder einer Modeschau.

 

Vom kulinarischen Standpunkt sind natürlich die Gerichte aus Mohn, vom Karpfen in Mohnpanier über Mohnnudeln und Mohntorten bis letztlich zum Mohnschnapserl von Interesse. Daneben kommen ausgewählte Spezialitäten aus der regionalen Waldviertler Küche wie ein ofenfrisches Bratl mit Räuberknödeln (Waldviertler Knödel aus gekochten und rohen Kartoffeln), Grammelknödel oder Blunzngröstl auf den Tisch. Und auch die für jeden Jahrmarkt typischen Gerichte wie Grillhenderl, Koteletts oder Käsekrainer sind in dem einen oder anderen Festzelt vertreten. Also wenn sie kommen, kommen sie auf jeden Fall hungrig.

 

Und bringen sie ruhig ihre Kinder mit, auch für deren Unterhaltung wird im Rahmen eines kleinen Vergnügungsparks und eines Spielplatzes bestens gesorgt. Aber vielleicht interessieren sie sich bereits für die attraktive Oldtimer-Ausstellung oder wollen sich beim HUKI-Stand mit Kunst bzw. Kunsthandwerk beschäftigen.

 

Ich habe den Kirtag - trotz des etwas durchwachsenen Wetters - auf jeden Fall sehr genossen und beschlossen, hier wieder einmal herzukommen. Ich hoffe, ich habe auch ihnen einen gusto dazu gemacht. Auf der Heimfahrt gab es übrigens noch einen gemütlichen Ausklang bei dem mir bisher unbekannten Mostheurigen Frellerhof in Mauthausen. Dort war der Service und die Qualität ausgezeichnet, und die Portionen waren kaum zu bewältigen.

 

Prosit mit einem Mohn Eierlikör

 

Prosit mit einem Mohn-Marillen-Schnapserl oder einem Mohn-Eierlikör

 

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Ein ofenfrisches Bratl mit traditionellen Waldviertler Knödln beim Neuwiesinger

 

Usedom - ein kulinarischer Kurzbericht

Usedom – ein kulinarischer Kurzbericht

 

Fisch, Fisch und noch einmal Fisch

 

Nach Usedom gelangt man von Linz aus schneller, als man landläufig annehmen würde: Man fliegt in einer guten Stunde nach Rostock, und von dort geht´s dann per Bus, Zug oder Leihwagen weiter auf die Insel Usedom. Wir – meine Gattin und ich - hatten eine Ruefa-Pauschalreise gebucht, mit Flug, Bustransfer, Hotel mit Frühstück in Heringsdorf und drei inkludierten Ausflügen. Aber darüber will ich ja gar nicht viel erzählen, sondern mehr über die Küche dieser Region. Wir waren in keinem Hauben- bzw. Sternelokal. Die besten resp. feinsten Restaurants, in denen wir so gut wie immer abends gegessen haben, waren das Heinrich´s in unserem Strandhotel, das benachbarte Restaurant Waterfront im Steigenberger Hotel und der Pommersche Hof, alle in Heringsdorf. Eher Durchschnitt waren das Restaurant Seebrücke in Ahlbeck (das Matjestratar war super, die Rote Grütze dagegen zum vergessen), die Hafenküche in Rankwitz (langsames Service, aber köstliche Fischsuppe) und das Bistro Don Hering im Maritim Hotel Kaiserhof in Heringsdorf. Nicht zu vergessen den Imbiss „Zur Molle“ an der Strandpromenade in Bansin, wo es Räucherfisch, Fischbrötchen und Bier gibt. Ganz köstliche Fischbrötchen mit Backfisch oder Lachs, übrigens.

Strandhotel Heringsdorf mit Heinrichs

Strandhotel Heringsdorf mit Restaurant Heinrich´s

 

 

Waterfront  

Hotel Steigenberger mit Bistro & Bar Waterfront

 

Da es bei Mecklenburg-Vorpommern um ein eher in jeder Hinsicht armes und landwirtschaftlich ausgerichtetes Bundesland handelt, ist auch die Küche eher deftig bis kräftig. Hausmannskost in üppigen Portionen füllt die Teller, und da Usedom ja eine Insel ist, natürlich auch Fisch. Ungekrönter König der Fische ist dabei der Hering, den es in den verschiedensten Variationen gibt: Als Bismarckhering mariniert mit Essig, Zwiebeln, Senfkörnern und Lorbeer, als Matjes mild gesalzen in jugendlichem Alter (einen solchen hatten wir mit Remouladensauce, Pellkartoffeln sowie einem Salatbouquet, oder als Rollmops, ein kopf-und schwanzloses Heringsfilet, handgewickelt, mit einem Holzstift zusammengehalten, und mit Gurken und Zwiebeln in Essiglake eingelegt. Ich hatte ihn auch gebraten als Pommerschen Ostseehering mit Bratkartoffeln und Salat oder als Ahlbecker Matjestartar mit Schwarzbrot uns Schmalz.

 

Pommerscher Hof Heringsdorf 

Hotel & Restaurant Pommerscher Hof

 

Don Hering

Bistro Don Hering im Maritim Hotel Heringsdorf

 

Andere köstliche Speisefische sind z.B. Scholle (meine Gattin hatte eine Kutterscholle nach Finkenwerder Art und ich eine Scholle gebraten mit Bratkartoffeln und Gurkensalat), Flunder, Steinbutt (auf den Teller kamen ein Steinbutt-Filet unter einer Steinpilzkruste mit Rosmarinkartoffeln und kleinem Salat sowie ein Duett von Steinbutt und Peenebarsch auf einem Eintopf von Kürbis und Kartoffeln mit Riesling-Schaum), und Seezunge (gebraten nach Müllerinnen-Art mit Petersilienkartoffeln und Gurkensalat. Einmal musste es bei einer einfachen Verkaufsbude auch ein Backfischbrötchen sein, ein panierter Fisch in einem Brötchen mit Salatblatt und Remouladen-Sauce oder Mayonnaise. Nicht probiert haben wir Aal oder geräucherten Fisch, wobei verschiedene, geräucherte Fische (Lachs, Hering, Aal) eigentlich Teil unseres täglichen Frühstücksbuffets waren. Natürlich gab es auch noch anderes Meeresgetier. So hatten wir z.B. einen respektablen Shrimps-Avocado-Salat mit Linsenbrot (Papadam) oder Penne mit Lachs.

 

Matjes mit Remouladensauce

Der berühmte Matjes mit Remouladensauce, Pellkartoffeln und Salatbouquet

Sehr wohl gekostet haben wir natürlich auch Fischsuppe, immer mit viel Fisch, aber einmal mit mehr und einmal mit weniger Sahne. Apropos Suppe: Von den deftigen, bodenständigen Gerichten haben wir eher nur die Suppen probiert, so z.B. eine eingedickte, pommersche Kartoffelsuppe, natürlich mit Kartoffeln, Karotten und Speck, gewürzt v.a. mit Petersilie. Lorbeerblatt und Beizkraut. Oder eine Soljanka, eine Restlsuppe aus passierten Tomaten und Paprika, mit Zwiebel, Gurkerl, Paprikastreifen und Wurstresten. Wild war wahrscheinlich aufgrund der Jahreszeit – es war erst Anfang September- kaum auf den Speisekarten zu finden, und vergeblich suchten wir auch nach dem berühmten „Lapskaus“ (ein Eintopf aus Kartoffeln, Rindfleisch, Heringsfilet und roter Beete).

 

Was die Nachspeisen betrifft ist das Eis nicht so schlecht, ich hatte ein Vanille-Stracciatella-Eis mit Schokosauce und ein Parfait von der Weinbergpfirsich. Probiert haben wir natürlich auch die berühmte Rote Grütze, serviert mit Vanillesauce und Pumpernickel. Ich glaube, bei diesem ersten Versuch werden wir es auch belassen. Ansonsten jede Menge Torten zu einem meist besseren Cappuccino. Auch den auf der Insel wachsenden Sanddorn habe ich verkostet: In Form damit gefüllter Schokolade und als Saft.

 

Soljanka

Soljanka: Restlsuppe aus passierten Tomaten mit Paprika und Wurst- oder Fleischresten

 

Bleibt noch ein letzter Absatz übers Trinken. Das Hauptgetränk an der Ostsee ist offensichtlich Bier, vorzugsweise lokal gebraut und frisch gezapft. Zwei Brauereien gibt es auf der Insel: Eine, das Usedomer Brauhaus in Heringsdorf, und die zweite im Wasserschloss Mellenthin. Beide probiert, beide sehr gut. Wasserschloss Mellenthin ist übrigens ganz interessant und das Bier ist gut, was man leider von den Mehlspeisen aus der hauseigenen Konditorei nicht behaupten kann. Dazu kommen noch aus der näheren Umgebung die Störtebecker Braumanufaktur in Stralsund und die Hanseatische Brauerei in Rostock. Auch die beiden durchaus empfehlenswert. Aufgrund unserer Vorliebe für Fisch habe ich die ganze Urlaubswoche ausschließlich Weißwein getrunken, und den offen. Das hier übliche Glas von 0,2 l kostet von € 5,90 (Riesling QbA in der Seebrücke Ahlbeck) bis € 9,50 (Sauvignon Blanc von Klaus Mayer/Pfalz im Restaurant Waterfront/Steigenberger). Ich habe auch Weißburgunder und Pinot Grigio getrunken, alle Weine waren ganz gut. Der vielfach erwähnten Köm – einen klaren Kümmelschnaps – habe ich mir allerdings erspart.

 

Résumé: Nach Usedom reist man sicher nicht des Meeres wegen, weil das ist kalt und schmutzig. Der Strand ist zwar wunderschön, aber es gibt weder Toiletten noch Duschen noch Umkleidekabinen. Die Strandkörbe sind sehr putzig, aber aber relativ unbequem. Wenn man hierher kommt, dann eher wegen des nahezu täglichen Sonnenscheins und der reinen und gesunden Luft. Was das Essen betrifft, so kommen Fischliebhaber auf Usedom voll auf ihre Rechnung, ebenso Liebhaber deftiger Gerichte. Allerdings müssen alle Geduld und Nachsicht haben, denn hier geht alles sehr langsam und manches geht überhaupt nicht, und man weiß eigentlich nicht warum. Manchmal glaubt man sich wirklich in die gute, alte DDR-Zeit zurückversetzt, mit absichtlich schleppendem Service und Sättigungsbeilage auf den Speisekarten.

 

 

Weingut am Berg

Weingut am Berg

 

Ein schöner Abschluss eines abwechslungsreichen Ausfluges

 

Vor kurzem waren meine Gattin und ich mit den Ofteringer Wirtschaftstreibenden unterwegs. Wir waren auf einen Wochenendausflug in die Wachau und ins Kamptal eingeladen. Da wir Freitagabend beim Sommertheater auf der Rosenburg waren und in Krems übernachteten, stießen wir erst Melk zu den Ausflüglern. Am ersten Tag standen eine Schifffahrt nach Krems mit anschließender Stadtführung, und dann die Weiterfahrt ins Hotel nach Strass auf dem Programm. Am Abend schließlich besuchten wir die Aufführung der Operette „im weißen Rössl“ in Schloss Haindorf bei Langenlois.

 

Abschluss und Höhepunkt war am Sonntag zweifellos der Besuch des Weingutes am Berg in Mittelberg. Der Ort Mittelberg und das Weingut der Familie Gruber liegen 400 m über dem Kamptal. Schon im 12. Jh. wurde hier oben Weinbau betrieben, die Familie Gruber macht dies auf etwa 13 ha seit 3 Generationen. Unterschiedliche Böden, heiße Sommer mit kühlen Waldwinden und lange, sonnige Herbstperioden, begünstigen die außergewöhnliche Lage. Neben Wein werden auch Obst und Gemüse sowie Säfte und Marmeladen produziert. Der Braten kommt nicht mehr vom eigenen Schwein, sondern von dem einen oder anderen zugekauften. Und den gibt´s dann zum Heurigen, aber davon später.

 

Zunächst zu den Weinen, die wir nach einem wunderschönen Rundgang durch die Weingärten und einer kurzen Kellerführung verkosten durften. Die Weine werden in zehn unterschiedlichen Lagen angebaut, von denen die wichtigsten Kellerberg (Top-Lage v.a. für Grünen Veltliner und Riesling, Weine eher blumig-verspielt), Loiserberg (karge Bodenstruktur, Weine mit tiefer Fruchtigkeit und exotischer Note), Steinhaus (kleine, steile Terrassenlage, Weine mit einer sehr eigenen, karg-würzigen Aromatik) und Käferberg (luftige Lage, Weine mit intensiven Fruchtaromen und viel Würze) sind.

 

Begrüßt wurden wir mit einem Glas erfrischendem Sparkling Rose´. Dann kamen die Grünen Veltliner von den verschiedenen Lagen, alle Jahrgang 2015 und einer besser als der andere. Nach einem kurzen Abstecher zum Riesling tauchten wir in die Vielfalt des Weingutes ein: Bouvier (mit ein bisschen Rest-Süße), ein sehr frischer gelber Muskateller, ein den Wienern in nichts nachstehender Gemischter Satz und ein kräftig-aromatischer Chardonnay wurden verkostet. Beste Qualität zu moderaten Preisen, die Weißen (mit Ausnahme der Aus- und Spätlesen) alle zwischen € 6.- bis € 8,50.-, die Reserven bei € 12.- bis € 13,50.-. Wen wundert es da, dass für den Rosé vom Zweigelt und für die Rotweine (Zweigelt, Burgunder und Merlot) kein Platz mehr blieb. Von den guten Bränden musste ich leider ohnehin die Finger lassen, schließlich wartete ja in Melk mein Auto auf mich.

 

Auch von der Qualität des Heurigen durften wir uns ausgiebig überzeugen, die Tische bogen sich nur so voll von lauter Köstlichkeiten. Hausgemachter Schweinsbraten, Geselchtes, Blunzn und Sulz gab es ebenso wie Aufstriche und Käse aller Art. Dazu frisches und eingelegtes Gemüse und - für jene die keinen Alkohol trinken – auch schonend gepresste Säfte.  Das Service war perfekt, freundlich und immer präsent. Aber betrachten sie ruhig die Bilder, denn ein Bild sagt ja bekanntlich mehr als 1000 Worte. Sie werden sehen, wie wohl wir uns gefühlt haben.

 

Neben den Weinen und Schnäpsen können im kleinen aber feinen Shop des Weingutes auch liebevoll gekochte Marmeladen und Kompotte gekauft werden, dazu handgemachte Schokoladen und Löwenzahnhonig. Einige Accessoires und Bücher ergänzen das Sortiment. Zur Erinnerung oder als kleines, originelles Mitbringsel für zuhause.

 

 

 

 Weingut am Berg

Weingut am Berg in Mittelberg – eine Adresse, die Sie sich merken sollten!

 

Sektempfang  Weingarten

Empfang mit hauseigenem Frizzante, dann Spaziergang durch die Weingärten

 

Weinkeller Weinverkostung

Kurze Theorie im Weinkeller, aber ausgiebige Praxis bei der Weinverkostung!

 

 

Heurigenbuffet Wirt am bERg

Die Tische biegen sich unter den Köstlichkeiten: Ein Teil vom Heurigenbuffet

Reif in Staudach

Reif in Wiesberg

 

Erstbesuch beim Landgasthaus Reif in Staudach/Alkoven

 

Lange hat es gedauert, bis wir - aufgrund mehrerer Empfehlungen von guten Freunden - hierher gefunden haben. Zunächst waren wir mit den Öffnungszeiten noch nicht vertraut und trafen den Ruhetag, das nächste Mal war Betriebsurlaub. Letzthin wollten wir für einen Sonntag reservieren, waren aber etwas zu spät dran. Aber vor kurzem an einem schönen Mittwochabend hat es dann endlich geklappt.

 

Herfinden wäre an sich schon das erste Problem, aber das nimmt uns ja gottseidank unser Navi ab. Freie Plätze im Gastgarten gab um 18.00 h auch noch genug, und setzten wir uns zu viert an den zentralen runden Tisch und versuchten, den wunderschönen Ausblick aufs Eferdinger Landl zu genießen. Das wurde uns allerdings durch einen schulungsfliegenden Hubschrauber und durch einen rekordverdächtig mit seinem Traktor ackernden Landwirt zunächst gründlich vermiest. Dafür kann der Wirt natürlich nichts, aber Liebe auf den ersten Blick kann sich unter diesen Umständen auch nicht entfalten.

 

Nachdem anfangs nur drei Tische besetzt waren, war das Service freundlich und flink, die Speisekarte und die Getränke – u.a. mein Seiterl vom Hirter – waren schnell auf dem Tisch. Es gab eine sehr interessante Speisekarte, dazu eine Jausenkarte und eine schwarze Tafel an der Hauswand mit den Mehlspeisen. Meine Frau entschied sich für das Bio-Surschnitzerl (€ 13.-), meine Nichte für die Maishendlbrust (€ 17,50). Beides eine sehr gute Wahl. Mein Enkerl gab sich mit einem (überdimensionalen) Speckbrot (€ 5.-) zufrieden, ich mit einer gemischten Jause (€ 10.-). Beides sehr gefällig anzuschauen und sehr gschmackig zu essen. Bei den Nachspeisen waren wir nicht ganz so zufrieden, am besten war noch die Jägertorte (viel Nüsse, kein Mehl, wirklich fluffig) und das Panna Cotta. Mein Marillen-Tiramisu erinnerte eher an einen Scheiterhaufen auf dem Teller und war fast geschmacklos.

 

Die Rechnung für 4 Personen ohne Vorspeise bzw. Suppe, mit 2 kalten und zwei warmen Hauptspeisen sowie vier Nachspeisen mit zwei Kaffees war mit 85.- € nicht gerade preisgünstig, noch dazu wo bis auf zwei Seiterl Bier kein Alkohol im Spiel war. Also Liebe auf den ersten Blick ist es nicht geworden, aber vielleicht doch der Anfang einer dauerhafteren Beziehung. Immerhin war der Gastgarten gesteckt voll, als wir um etwa 20.00h den Heimweg antraten.

 

Gastgarten

Im Landgasthaus Reif erwartet sie ein schöner und gemütlicher Gastgarten

 

Monika und Lea

Zurücklehnen und genießen - ein Abendessen im Gastgarten beim Reif

 

 

 

 

 

 

 

Resteküche - Genießerrunde

Restessen – nicht nur etwas für arme Leute

 

Heute gibt es für alles eine neumodische Bezeichnung. Was früher ein Treffen der pensionierten Altdirektoren mit anschließenden Mittagessen war, ist heute ein Senior Executive Lunch. Und was wir früher einfach unter Restl-Verwertung bzw. Restl-Essen verstanden haben, hat sich heute ganz sexy zur „Eat Smarter“ Bewegung gemausert. Da findet man dann Rezepte für Gerichte wie bayrische Brotsuppe, Gröstl, Gemüseeintopf oder Arme Ritter.

 

Genau zu einem solchen deftigen Restl-Essen hatten Silvia und Walter unsere Genießer-Runde nach Kremsdorf eingeladen. Es war das erste Treffen nach über einem halben Jahr, und wir waren entsprechend „ausgehungert“. Warum aber Restl-Essen, werden sie fragen? Ja, das ist ganz einfach: Silvia und Walter wollen Walters bestehendes Elternhaus abreißen und einen Neubau wagen. Und wenn man ein Haus abreißt, dann muss alles raus, und es fallen entsprechend viele Restln an. Nun, der Abbruch soll erst in einigen Monaten erfolgen, trotzdem fanden wir Motto und Menuplan originell. Dieser stellte mich - als Verantwortlicher für die Weinbegleitung - auch nicht wirklich vor große Probleme. Für Bier und alkoholfreie Getränke hatten die Gastgeber in ausreichender Menge und mit angenehmer Trinktemperatur gesorgt. Bier war natürlich auch ein idealer Begleiter zum folgenden, deftigen Essen.

 

Der Samstagabend war schön und warm, so konnte die herrliche Terrasse mit Ausblick auf den großen Garten genutzt werden. Für ein bodenständiges Essen hatte ich auch einen österreichischen Aperitif mitgebracht, und zwar einen Frizzante Sparkling vom Sax aus Langenlois. Wirkte erfrischend bei diesem warmen Wetter, und bereitete Gaumen und Mägen gut auf das vor, was da noch alles kommen sollte. Als Vorspeise wurde kurz der Griller angeworfen, denn es gab gegrillte Brote. Bratenreste mit Knoblauch und Zwiebel angeschwitzt, mit Topfen, Kren und Dotter verschmischt, gut abgeschmeckt und auf Schwarzbrotschnitten gestrichen. Diese dann kurz auf den Griller und fertig! Dazu passte sehr gut ein Riesling Federspiel vom Jamek aus der Wachau, der uns dann noch ein weiteres Stück begleitete. Es folgte nämlich eine wirklich einmalig köstliche Brotsuppe, gut und sämig, aus vielen würzigen „Scherzln“ zubereitet. Dazu im wesentlichen Rindsuppe, Zwiebel und Knoblauch, Karotte und Tomate, sowie Joghurt zum Dekorieren und Schweineschmalz.

 

Dann kam - wie sollte es auch anders sein - der Hauptgang, der aber eigentlich aus zwei Gängen bestand. Zunächst gebratene Tomaten-Speck-Brotknödel mit Krautsalat. Die Knödel sehr fleischig, im Aussehen ein bisschen an Leberknödel erinnernd. Natürlich war keine Leber dabei, die dunkle Farbe stammte von den braunen Chamipignons und vom Braten. Vielmehr bgestanden sie hauptsächlich wieder aus Brot, getrockneten Tomaten, Speck, Eiern und Milch. Gewürzt mit Petersilie, Zwiebel, Muskatnuss, Salz und Pfeffer. Der Krautsalat knackig und frisch, für mich aber etwas zu wenig gewürzt. Dazu passte der langsam zu Ende gehende Riesling noch, und auch der Südtiroler Vernatsch hätte gut gepasst. Davon hatte ich allerdings nur mehr ein „Restl „(1 Flasche) übrig. Nun reklamierte ich eine erste Runde vom „Verdauerling“, und die meisten Gäste schlossen sich diesem Wunsch an. Dafür hatte ich einen Williams vom Zehetner, vom Altbürgermeister aus meinem Nachbarort Jebenstein, mitgebracht. Und der leistete gemeinsam mit Averna und Fernet dort erste Hilfe, wo es notwendig war.

 

Die Erholungsphase war nur kurz, denn jetzt folgt der zweite Teil des Hauptganges, ein Original Tiroler Gröstl. Und es sah - zubereitet mit Erdäpfeln, Rindfleisch und Spiegeleiern genau so aus, wie ein Gröstl eben ausschauen sollte. Und es schmeckte auch so, wie ein gutes Gröstl schmecken muss. Mit dem Wein hatte ich aber jetzt die liebe Not, denn der Südtiroler war aus und der mitgebrachte Grüne Veltliner – ein Spiegel 2014 vom Hiedler - passte leider nicht. Gottseidank hatte Gastgeberin Silvia auf meine Empfehlung auch für einen frischen Rosé vom Jurtschitsch gesorgt. Ein Rosé vom Zweigelt 2015, leuchtend rosa, frisch und mit angenehmer Säure. Jetzt war die Welt wieder in Ordnung.

 

Wir waren aber natürlich noch nicht fertig, denn es fehlte noch die Nachspeise. Auch die sollte eigentlich wieder aus zwei Gängen bestehen, aus einem Scheiterhaufen und aus Omas Pofesen. Aber unsere aufmerksamen Gastgeber hatten den Ernst der Lage erkannt: Sie schätzen unsere Aufnahmefähigkeit richtig ein und beschränkten sich auf den wirklich köstlichen Scheiterhaufen, allerdings gab es davon eine Riesenportion. Ein Scheiterhaufen besteht bekanntlich u.a. aus (alten) Semmeln, Milch, Eiern, Zucker und Salz, Äpfeln und Rosinen sowie Zucker. Dafür hatte ich zwei Weine mitgebracht, nämlich einen leichteren – einen süßen Weißburgunder Qualitätswein vom Schweifer aus Eisenstadt - und einen schwereren, in diesem Fall eine Welschriesling Auslese vom Sommer aus Donnerskirchen. Beide passten gut, der leichtere vielleicht sogar etwas besser.

 

Und damit war es vollbracht. Ein Espresso und natürlich noch der eine oder andere Digestif, und natürlich auch das eine oder andere Plauscherl. Gratulation an die Gastgeber, die ja auch alles selbst gekocht haben. Restekochen kann ganz schön aufwändig sein, überhaupt in der gebotenen Qualität!

 

 

Terrasse gebratene Brote

Die gebratenen Brote sind serviert - das große Reste-Essen kann beginnen!

 

Brotknödel

Eine echte Delikatesse: Gebratene Tomaten-Speck-Brotknödel mit Krautsalat

 

Scheiterhaufen

Claudia strahlt, als Gastgeber und Chefkoch Walter den Scheiterhaufen serviert!

Floriani Bräu

Frühschoppen im Floriani Bräu Dörnbach

 

Oder doch eine Kesselheiße in Oftering?

 

Lange haben wir schon davon geredet, jetzt haben wir es endlich einmal gemacht: Wir waren letzten Samstag mit einer kleinen Abordnung unseres Siedlervereins auf einen Frühschoppen im Floriani Bräu in Dörnbach.

 

Das Floriani Bräu ist eine kleine, im Familienbetrieb befindliche Bierbrauerei am Dorfeingang von Dörnbach. Es liegt gleich gegenüber dem Landgasthof Fischer, mit dem es eine intime Feindschaft verbindet. Die Besucher des Floriani Bräu verwenden nämlich gerne den Parkplatz des Wirtshaues, und das wir nicht geduldet und auch streng geahndet. Ich persönlich halte das für absolut lächerlich, weil das kleine Brauwirtshaus doch nur jeden ersten Samstag im Monat geöffnet hat. Und weil der Fischer-Parkplatz bis hinunter zur Feuerwehr eigentlich riesengroß ist. Aber das ist eine eigene Geschichte.

 

Im ehemaligen alten und hübsch renovierten Feuerwehrzeughaus wird also gebraut und ausgeschenkt. Gebraut wahrscheinlich öfter, ausgeschenkt wie gesagt nur jeden ersten Samstag im Monat von 9.00h-20h. Wir sind um 10.00h gekommen und das kleine Lokal war schon ziemlich voll. Gottseidank war Schönwetter, sodass di9e beiden Freiterrassen genutzt werden konnten. Gut und bequem sitzt man auf den Garnituren nicht, und selbst bedienen muss man sich auch und dabei noch Schlange stehen muss man auch. Trotzdem kommt man in Scharen her, um ein von der Hand gebrautes, offenes dunkles (gold-bernstein-färbiges) Landler oder ein helles Natur Pils zu trinken. Des Weiteren gibt es noch ein Bockbier und ein weißes. Die Biere können auch in der Flasche (z.B. in einer originellen Holzkiste), im Geschenkkrug oder im 154l Partyfass mit nach Hause genommen werden.

 

Vor Ort verzehrt werden sollte aber auf jeden Fall eine Weiße (eigentlich zwei Stück) oder eine Burenwurst mit Senf, selbstverständlich mit Laugen-Brezn (Brezel) und mit frischem Radi (Rettich), der hier nicht mit dem Messer geschnitten wird, sondern mit einer speziellen Radischneidmaschine. Und bitte gleich alles beim Bierausschank bezahlen und ein Markerl für die Wurst ausfassen, sonst stellt man sich nämlich nochmals an. Die Würste und das Bier sind ausgezeichnet, wie es sich für einen richtigen Frühschoppen halt gehört.

 

Weil sich hier alles auf kleinstem Raum abspielt, ist auch das Gedränge groß und der Lärmpegel hoch. Langes, gemütliches Sitzen ist da nur schwer möglich. Da lob ich mir die Kesselheiße von unserem Fleischhauer Führer in Oftering. Da kann ich im Hinterzimmer der Fleischerei sitzen oder gegenüber im Wirtshaus Hochmair mit angeschlossener Bäckerei. Hüben und drüben gibt es frisch gebrühte Würste mit Senf und frisches Gebäck. Natürlich auch mit einem gut gezapftem Bier. Und das vier Mal im Monat, nämlich jede Woche am Donnerstag so ab 10.00h.

 

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Das Floriani Bräu in Dörnbach - sein Bier und seine Gäste - Bilder von der Homepage

 

Floriani Bräu Dörnbach

Es war sehr schön ,es hat uns shr gefreut - und geschmeckt hat es uns außerdem auch noch!

 

Radischneider

Bei diesen Mengen braucht es einen professionellen Radischneider!

 

Piemont

Piemont fast ohne Trüffel

 

Wenn man aus kulinarischen Gründen ins Piemont - das angeblich größte Feinschmeckerparadies Italiens - reist, tut man dies meistens wegen der berühmten weißen Trüffel oder zumindest wegen der sehr bekannten roten Weine. Schon etwas weniger Besucher kommen auch wegen der Haselnüsse und der feinen Schokolade oder wegen des piemontesischen Käses und Grappas. Und noch weniger, aber immer noch viele, kommen auch wegen der Slow-Food-Bewegung.

 

Bei der jährlichen Reise einer Weinrunde wie der unsrigen war der Reisegrund von vornherein klar, noch dazu wo im Juni wirklich noch nicht Trüffelsaison ist. Zum dritten Mal hintereinander - nach Friaul-Julisch Venetien im Vorjahr und Südtirol vor zwei Jahren - war das Reiseziel unserer kleinen Weinrunde Italien. Bekannterweise zählt ja das Piemont zu den besten Weinbaugebieten der Welt. Aus den Rebsorten Nebbiolo (Barolo und Barbaresco), Barbera (DOC aus Alba, Asti und Monferrato) werden edle Rotweine, aus Dolcetto und Grignolino eher einfachere Tischweine gekeltert. Dazu kommt noch die eine oder andere Weißweintraube wie z.B. Arneis, Moscato oder Favorita, und die bestens bekannte Schaumweine aus Asti (Moscato d´Asti, Spumante). Unser Trip dauerte - inklusive An- und Rückreise - insgesamt 5 Tage und von denen möchte ich einiges erzählen.

 

Der 1. Tag

 

Nachdem sich ältere Herren die Anreise gerne etwas bequemer machen, war das Reiseziel am Anreisetag Saló am Gardasee. Dies allerdings erst nach einer gemütlichen Mittagsrast im Sterzing, die eigentlich schon am Achensee geplant war. Aber wir waren gut und schnell vorangekommen. Bei herrlichem Sonnenschein spazierten wir durch die autofreie Altstadt und ließen uns schließlich im Restaurant Goldenes Kreuz nieder. Unsere Bestellung spiegelte noch die Umstellungsphase wider, ging sie doch von der Tiroler Speckplatte bis zu den klassischen Spagetti mit ragù a la bolognese. Mein Freund Jakob und ich wählten das Tiroler Tris, ein Trio aus Spinatknödeln, Kaspressknödeln und Schlutzkrapfen.

 

So gestärkt war die Weiterfahrt - bis auf das immer schlechter werdende Wetter - ein einfaches Unterfangen. Am Gardasee angekommen, war das an sich reizende und direkt am See gelegene Hotel Duomo trotz Navi etwas schwierig zu finden. Außerdem verfügte es über keinen eigenen Parkplatz, was zusätzliche Umstände mit sich brachte.

 

Nach dem Einchecken und einer kleine Rast folgte dann ein nach dem vielen Sitzen wohltuender Fußmarsch durch die halbe Stadt ins Hotel Bellerive. Im dortigen Restaurant 100km – ebenfalls direkt am See gelegen – mussten wir aufgrund des Regens leider mit einem Tisch im Inneren vorliebnehmen. Das Restaurant ließ hinsichtlich Ambiente, Service und Speisekarte kaum Wünsche offen. Darauf fanden sich feine Vorspeisen wie Beef Tartare, Salat vom weißen Spargel mit Garnelen oder Auberginenauflauf mit Kirschtomaten und Mozzarella. Als Primi dann natürlich die verschiedenste Arten von Pasta, aber auch Erbsensuppe. Und als Secondi waren die Fische aus dem See ebenso prominent vertreten wie Rinderfilet, Entenbrust, Kalbsmedaillons und sogar Spanferkel. Die Dessertkarte war eher wieder klassisch, es waren Tiramisù, Panna cotta, Crème brulèe, Eis und frisches Obst darauf zu finden. Meine Wahl fiel auf Tempura vom Garda Seefisch mit Gemüse, Sojasauce und Zitronen-Mayonnaise und dann auf ein Rumpsteak in Balsamico-Essig mit Butterspinat. Auch für ein kleines Sorbet hat es noch gereicht. Meine Freunde schwelgten in Pasta, Heli zB in Fettucine mit Calamar. Und wir probierten auch einen lokalen Wein, nämlich zwei Flaschen vom köstlich-frischen Lugano.

 

Der 2. Tag

 

Am nächsten Tag wachten wir bei herrlichem Wetter auf, was nicht nur unser Frühstück, sondern auch unsere Weiterfahrt nach Neive sehr beflügelte. Dort erwartete uns unser Mittags-Restaurant Borgo Vecchio mit herrlichem Wetter, einem Traum-Panorama und einem delikaten Lunch. Leider waren wir nach dem reichlichen Frühstücksbuffet noch nicht in der Lage, so richtig zuzuschlagen. Unsere Auswahl beschränkte sich - abgesehen vom sehr originellen Gruß aus der Küche - daher auf einen Gang. Dabei entdeckten wir die mit 30 Dottern handgemachten, langen Nudeln (Tajarin) mit verschiedenen Saucen und Fleisch vom piemontesischen Fassone-Kalb auf drei Arten zubereitet. Und wir haben unseren ersten lokalen Wein probiert: Einen weißen, frischen Roero Arneis.

 

Über die Weiterfahrt nach Alba und das Beziehen unserer Zimmer im mir bereits sehr vertrauten Hotel I Castelli gibt es nichts Besonderes zu berichten. Leider auch nicht von unserer ersten Weinverkostung im Weingut von G.D. Varja in Vergne/Barolo. Die Führung durch unseren Guide Sofia war kurz und eher oberflächlich, fast ebenso die Verkostung. Die Weine zählen nach wie vor zu den Spitzenqualitäten, insbesondere der Dolcetto und der Barbera. Die Preise dafür sind allerdings spürbar angestiegen. Das Weingut ist inzwischen auf beträchtliche 60 ha Rebfläche angewachsen, bei meinem ersten Besuch vor einigen Jahren waren es noch weniger als die Hälfte. Erwähnenswert sind der „Riesling Pètracine" Langhe DOC 2013 - sogar ein DOC - der aber nicht ganz unserer Vorstellung von einem Riesling entspricht, und der „Kyè" Langhe Freisa DOC. Neu ist der fruchtige Sommer-Rosé „Rosabello Rosato“, der jetzt bei mir zuhause auf die richtige Gelegenheit zum Servieren wartet. Und nicht umhin gekommen bin ich, den Moscato d´Asti zu kosten und natürlich mitzunehmen. Wir trinken ihn gerne zu einem Dessert wie z.B. zu Eis oder Eispalatschinken. In Italien ist er der Begleiter zum weihnachtlichen Panettone.

 

Der Rest des Nachmittags reichte noch für einen kurzen Trip nach Barbaresco. Allerdings fehlte uns der Gusto für eine weitere Weinverkostung. So beschränkten wir uns auf eine kleine Erfrischung im Café, bevor es zurück nach Alba ging. Allerdings nicht ohne vorher einen kurzen Blick in die kleine Vinothek zu werfen, die originellerweise in einer ehemaligen kleinen Kirche untergebracht ist.

 

Der anstrengende Tag wurde mit einem Spaziergang durch Alba und einem Abendessen im Restaurant Ugo Gastronomia, das in der Via Alfieri etwas abseits des Mainstreams liegt, abgeschlossen. Das Besondere an diesem Lokal ist ein langes, nicht enden wollendes Vorspeisenbuffet, an dem schließlich auch alle meine Kollegen hängen geblieben sind. Nur ich habe es über die panierten und frisch frittierten Steinpilze (funghi fritte) und Zucchini-Blüten (Fiori di Zucca fritta) noch zu einem Kaninchen in Weißwein (Cosciotto di coniglio all´Arneis) geschafft. Und dazu haben wir zur Abwechslung erstmals einen Favorita verkostet, auch nicht schlecht!

 

Der  3.Tag

 

Der dritte Tag war der Samstag, und da war am Vormittag unser Kulturprogramm angesagt. Nach dem Frühstück ging es zunächst nach Asti, wo bereits unserer Stadtführerin Maria Chiara auf uns wartete. Wie fast überall in Italien am Samstag herrschte in der halben Stadt buntes Markttreiben. Unser Treffpunkt war auch auf der Piazza Libertá, direkt vor der Markthalle. Ein idealer Ausgangspunkt für einen kurzen Rundgang durch die Innenstadt und vor allem zur gotischen Kathedrale mit dem romanischen Glockenturm. Dann ging es zurück nach Alba und noch vor dem Mittagessen zeigte uns unsere Stadtführerin (die übrigens aus Turin kam) die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Die Führung endete – wie sollte es auch anders sein - in der Osteria Era Nuova, wo wir ein kleines, aber sehr gutes Mittagessen einnahmen. Kleine Karte, typische Gerichte, viele Einheimische und wenig Touristen im Lokal. Diesmal musste es für mich einfach ein Beef Tartare vom Fassone-Rind (tartare di carne cruda) sein, für meinen Freund Heli Trüffeln mit Ei (l'uovo è pronto), für Richard ein Gemüseflan und für Jakob die handgemachten, gefüllten Ravioli (ravioli del plin). Dazu ausnahmsweise ein Weißwein nicht aus der Region, sondern ein Greco di Tufo aus Kalabrien.

 

Der Nachmittag stand wieder ganz im Zeichen einer Weinverkostung. Wir besuchten den Winzer Valeria Mossio, den wir letztes Jahr bei einem piemontesischen Abend und bei der Ausstellung “Wein und Kunst” in Linz kennen gelernt hatten. Der Empfang auf seinem Weingut in Rodello war herzlich und die Besichtigung des gesamten Betriebes – von den Weingärten bis zu den Kellern – höchst interessant. Höhepunkt war zweifellos die Verkostung mit dem Schwerpunkt Rotwein. Von zwei Dolcettos über den Langhe Rosso (eine lang lagerbare Cuvée aus Nebbiolo, Barbera und Dolcetto) und den Nebbiolo zum Gamus (Barbera aus einem Weingarten mit römischen Ausgrabungen). Für mich als Draufgabe noch den “Le Margherite”, ein süßer Wein aus getrockneten Trauben, gewidmet den Frauen im Betrieb. Aufgrund seiner moderaten Preise haben wir hier deutlich mehr eingekauft wie bei G.D. Varja. Und wir werden unseren Freund Valeria heuer nochmals treffen, denn er kommt mit seinen Weinen im Herbst wieder nach Linz.

 

Die Zeit bis zum Abendessen reichte gerade noch für einen Blitzbesuch in der Stadt Bra, dem Ausgangspunkt der international bekannten Slow-Food-Bewegung. Ein Kaffee bzw. ein Bierchen in Ehren, dann ging es zurück nach Alba und zum Dinner wieder in die Altstadt. An der Reihe war die Osteria dell Arco direkt auf der Piazza Savonna. Diesmal waren wir nur zu dritt, Freund Jakob hatte w.o. gegeben. Das Lokal war gesteckt voll, und der Abend war ziemlich heiß. Dennoch war der Service flink und das Essen gut, aber auch nicht mehr. Wir wählten Prosciutto di maiale cotto da noi, focaccia e salsa al basilico (gekochter Schinken mit Focaccia und Basilikumsauce), Coniglio "Grigio di Carmagnola" cotto all'Arneis (Kaninchen in Weißwein) und gegrillte Calamari und Zucchini. Und dazu ausnahmsweise eine Flasche Pinot bianco aus dem Friaul.

 

Der 4. Tag

 

Dieser Tag war zwar ein Sonntag, aber bei weitem kein Ruhetag. Am Vormittag stand die Erkundung des berühmten Ortes Barolo auf dem Programm. Zunächst die Enoteca in der Burg, dann das Korkenzieher-Museum und schließlich eine Kellerführung mit kleiner Weinverkostung beim Marchese di Barolo. In der Enoteca herrschte zumindest für italienische Verhältnisse rege Betriebsamkeit, es wurde eine allgemeine Weinverkostung vorbereitet. Schon viel ruhiger war es im kleinen aber sehr netten Korkenziehermuseum. Der Höhepunkt des Vormittags war aber zweifellos die Kellerführung beim Marchese di Barolo, die von unserem Guide Silvia mit großem Engagement und in tadellosem Deutsch durchgeführt wurde. Neben der langen Geschichte des Hauses wurde auch auf die Lagen und die Weine eingegangen. Ein Highlight waren zweifellos die verschiedenen Keller und Lagerräume. Jetzt wurden endlich auch die beiden noch in unserer Sammlung fehlenden Weine verkostet, nämlich der Barolo und der Bararesco. Und eingekauft haben wir auch, wenn auch nur wenig.

 

Für das Mittagessen ging es einen Katzensprung weiter nach La Morra in die Osteria More e Macine. Wir hatten einen sehr schönen Platz auf der Terrasse des Lokals, aber leider war es ziemlich voll und das Service daher nicht optimal. Ein Teil unserer Bestellung wurde schlicht und einfach vergessen, was uns viel Zeit kostete und großen Ärger verursachte. Schade, denn das Essen war gut und originelle, z.B. die Sardellen mit Pesto (Acciughe con pesto) und auch das Risotto mit Spargel (risotto con asparagi).

 

Der Nachmittag war etwas gemütlicher geplant, als er dann wirklich ausgefallen ist. Das lag einerseits am Wetter (es war extrem warm), andererseits an der mühevollen Anreise nach Cortemilia. Dieser kleine Ort in der Langhe ist zwar nur schwache 30 km von La Morra entfernt, aber nur über eine sehr bergige und kurvenreiche Straße zu erreichen. Auf dem Programm stand dort der Besuch von zwei Familienbetrieben, zunächst einer Haselnuss-Farm und dann einer Grappa-Destillerie.

 

Auf der Aziena Agricola Baberis Bruno erwartete uns bereits die gesamte Familie samt den beiden Hunden. Stefano und Christina führten uns durch den Betrieb und erzählten uns Geschichte und Rahmenbedingungen des Haselnussanbaus im Piemont. Für eine tadellose, englische Übersetzung sorgte Claire aus Neuseeland, die zurzeit auf dem Gut wohnt und arbeitet. Nach der Erläuterung der Ernte- und Röstprozesse durften wir die köstlichen Nüsse auch verkosten. Und als Draufgabe hatte Christina noch kleine Haselnusstörtchen gebacken, die wir mit einem Schluck Moscato d´Asti hinunterspülen konnten. Ein sehr interessanter Besuch, geprägt von ausgesprochener Freundlichkeit und Gastfreundschaft. Auf eine Besichtigung des zweiten Standbeines des Betriebes - den Weinanbau - wurde verzichtet, wir waren schon ein bisschen müde und außerdem in Zeitnot. Schließlich mussten wir vor der kurvenreichen Rückfahrt nach Alba noch in eine „Schnapsbrennerei“.

 

So schauten wir noch kurz in der Distilleria Castelli vorbei, wo uns die temperamentvolle Giulia schon erwartete. Sie erklärte uns ihre Brennanlage, den Ablauf von der Traubenanlieferung bis zur Flaschenabfüllung und von ihren Kämpfen mit der Finanz. Ihre Tochter übersetzte. Da wir dann doch noch den einen oder anderen Grappa verkosteten – und dazu auch einen guten, starken Espresso serviert bekamen, übernahm an meiner Stelle Helmut die Rückfahrt. Ich trinke halt eben gerne ein gutes Schnäpschen, und die Grappe waren wirklich sehr fein.

 

Der letzte Abend in Alba führte uns in die Osteria di Vicoletto, auch etwas abseits von der eigentlichen Fußgängerzone. Der Abend war lau, und so bekamen wir einen netten Tisch im kleinen Gastagarten und eine noch nettere Bedienung. Unsere Bestellung unterschied sich nicht wesentlich von den bisherigen Mahlzeiten. Wieder waren es die langen feinen Nudeln, mit der Hand mit 40 Eidottern gemachte Tajarin mit einem Ragout aus Salsicce oder Ravioli gefüllt mit Seirass-Käse aus Alpenbutter und Salbei. Es gab aber auch köstliche Lammracks und aufregende Dolce. Ein ruhiger und schöner Abschiedsabend.

 

 

 

Der 5. Tag

 

Über den Rückreisetag – das war der Montag - gibt es nichts Besonderes zu berichten, außer dass wir die gut 830 km mit der einen oder anderen Pause an einer Autobahnraststätte ohne problemlos bewältigen konnten. Das Verkehrsaufkommen war moderat, und wir hatten keine Staus oder Wartezeiten, auch nicht an den Mautstellen oder an der deutsch-österreichischen Grenze. So haben wir die Fahrt in etwa 10 Stunden geschafft, wobei wir einmal den Fahrer gewechselt haben.

 

Vielleicht abschließend noch ein Kommentar zum Hotel I Castelli. Es gibt sicher noblere und romantischere Hotels mit mehr Charme in Alba. Aber es gibt kaum eines, das sowohl mit dem Auto aus allen Richtungen sehr gut erreichbar ist. Und von dem man zu Fuß in wenigen Minuten in der Altstadt von Alba ist, während man sein Auto gleich gegenüber vom Hotel problemlos parken kann. Der Service und das Frühstücksbuffet sind gut, man spricht Englisch und meistens sogar Deutsch. Das Preis-Leistungsverhältnis ist somit bestens.

 

Ja, Piemont war eine Reise wert, auch wenn es etwas weit war. Im nächsten Jahr bleiben wir wieder einmal im Land. Die Vorbereitungen für unsere Weinreise 2017 ins Krems- und Traisental haben schon begonnen…..

 

Südtiroler Speckplatte in Sterzing

Eine Südiroler Speckplatte in Sterzing: Da lacht nicht nur das Herz!

 

Osteria Era Nuova

Die richtige Adresse für ein gutes Mittagessen nach zwei Stadt-

führungen: Die Osteria Era Nuova in Alba

 

La Morra Bestellung

Bei der Bestellung war die Welt noch in Ordnung: Mittagessen in

der Osteria More e Macine in La Morra

 

Abschiedsabend La Vicioletto

Time to say Goodbye to Piedmont - Abschiedsabend in der Osteria

del Vicoletto in Alba